Donnerstag, 11. Dezember 2025

Das Kaffeeexperiment

Ja ja, ich weiß! Ich bin faul. Mehr als ein Monat ist seit meiner letzten Geschichte vergangen. 

Das kam mir aber gar nicht so lange vor. Heute Morgen habe ich dann schuldbewusst über eine neue Story nachgedacht. Und weil ich gerade an meiner zweiten Tasse Kaffee nippte fiel mir das schwedische Kaffeeexperiment ein. 

Also gibt es heute eine Anekdote aus dem Leben des schwedischen Königs Gustav III. (*24.01.1746 - gest. 29.03.1792)  , der im übrigen keinen Kaffee mochte und ihn für ein tödliches Gift hielt.

Um das zu beweisen begnadigte Gustav zwei Brüder, bei denen es sich um eineiige Zwillinge handelte, und die zum Tode verurteilt waren, zu lebenslangen Freiheitsstrafen.

Die Bedingung: Einer der Brüder musste jeden Tag drei Kannen Kaffee, der andere drei Kannen Tee trinken.

Dabei wurden sie von zwei Ärzten überwacht. 

Wie das Experiment ausging?

Zuerst starben die beiden Ärzte. 

Dann der König. Er wurde während eines Maskenballs an der Stockholmer Oper am 29. März 1792 erschossen. 

Schließlich starb der Teetrinker im Alter von 83 Jahren. 

Und der Kaffeetrinker? 

Na, wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute. 


Samstag, 1. November 2025

Halloween 2025





Kleine Slide-Show zu meinen diesjährigen Halloween-Spaziergang mit Bildern aus der Nachbarschaft. 


Freitag, 31. Oktober 2025

Halloween

 

Bei uns sind heute Abend auch mal wieder die Hexen los. Zombies, Geister und weitere Spukgestalten natürlich auch!

Das Haus ist dekoriert, im Garten ist Party, es wird gegrillt, die Kleinen bekommen Süßes und die Großen Glühwein. 

Dem Genörgel der Miesepeter, die uns vorwerfen, jeden Mist aus Amerika zu übernehmen halte ich entgegen, dass dieser Partybrauch nicht aus Amerika, sondern aus Irland stammt. 




Und was soll nun diese Sache mit den Kürbissen?
Nun, das geht auf einen Schurken mit dem Namen Jack Oldfield zurück. 
Der war nicht nur geizig, sondern auch dem übermäßigen Alkoholgenuss zugeneigt. 
Eines Tages, es war der Abend vor Allerheiligen saß Jack mal wieder gut abgefüllt in der Dorfkneipe, als plötzlich der Teufel neben ihn stand um ihn zu holen. 
Jack versprach dem Teufel gleich seine Seele, wenn dieser ihm nur einen letzten Drink ausgeben würde. Das klappte nicht so richtig, weil der Teufel kein Bargeld mitführte.
Jack wusste aber Rat und der Teufel verwandelte sich in eine Six-Pence-Münze, mit welcher er den Wirt bezahlen sollte. 
Jack schnappte sich aber schnell die Münze und steckte sie in seinen Geldbeutel in dem sich zu Teufels Ärger auch noch ein Silberkreuz befand, welches zuverlässig verhinderte, dass dieser sich zurück verwandeln konnte. 
Nachdem der Höllenfürst eine Zeitlang geschmort hatte, bot Jack ihm einen Handel an:
Er lässt den Teufel frei und im Gegenzug solle Jacks Seele noch zehn Jahre frei sein. 
10 Jahre später tauchte der Teufel wieder auf und Jack bat diesmal als letzten Wunsch um einen Apfel. Der Teufel kletterte daraufhin auf einen Baum um den Apfel zu holen, während Jack in aller Seelenruhe mit seinen Messer ein Kreuz in den Stamm schnitzte. Wieder war der Teufel gefangen. 
Diesmal handelte er aus, dass der Teufel seine Seele bis in alle Ewigkeit in Ruhe lassen solle. 
Viele Jahre später starb Jack schließlich und bat darum in den Himmel gelassen zu werden. Da er aber wie erwähnt nicht gerade ein frommer Mann gewesen war, wurde ihm der Einlass verwehrt und er zog vor die Höllenpforten. 
Hier durfte er allerdings auch nicht hinein. Der Teufel hatte schließlich versprochen, die Klauen von seiner Seele zu lassen und scheuchte ihn deshalb weg. Weil es aber kalt und windig war, schenkte er Jack eine glühende Kohle aus dem Höllenfeuer. Jack steckte die Kohle in eine ausgehölte Rübe und startete seine Karriere als Spukgestalt, die immer am Abend vor Allerheiligen durch die Lande zieht. 
Daher stammt der Glaube, dass ein Stück brennende Kohle in einer ausgehöhlten Rübe, heute nimmt man einen Kürbis, den Teufel und böse Geister fernhalten könne. 


Und nun wünsche ich euch allen einen schönen Abend mit viel Süßem und wenig Saurem! 

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Fragenkatalog

Heute gibt es keine kleine Geschichte, sondern ich beantworte ein paar Fragen, die mir zwischenzeitlich persönlich gestellt wurden.  


Schreibst du noch mal etwas über Donald Trump?

Nein, das war ein einmaliger "Ausrutscher"! Wie viele andere auch, halte ich Donald Trump für psychisch krank und vermute, dass er unter Demenz leidet. Wenn man seine Live-Auftritte so anschaut, stellt man fest, dass viele seiner Aussagen verworren klingen und keinen Sinn ergeben. Weiterhin wirkt er, wie z.B. gestern in Japan, oft orientierungslos. 

Das ergibt zwar genug Stoff für viele Storys, aber ich finde den Typen nicht wirklich witzig. 



Warum hat man Wilhelm Voigt den Hauptmann abgenommen, obwohl seine Uniform fehlerhaft war?

Weil er in Köpenick mit echten Soldaten auftrat. Aus Sicht der Köpenicker und des  Bürgermeisters musste der Hauptmann deshalb auch echt sein. Er hatte ja Leute unter seinem Kommando.

Die Soldaten hätten bemerken müssen, dass da was nicht stimmt, z.B. Mütze statt Helm, aber was soll ein Gefreiter denn sagen?

"Verzeihung Herr Hauptmann! Sie sind ein Schlunz! Ziehen sie sich erstmal ordentlich an!" 

Voigt sagte später, dass er den Gefreiten widergetroffen hätte. Dieser soll ihm gesagt haben, das er schon Angst gehabt habe dass er degradiert würde, weil er es versäumt hatte zu grüßen.

Wie soll er sich da noch trauen eine Legitimation zu verlangen?  


Kommen noch weitere Artikel über Schusswaffen?

Ja, nein, vielleicht, weiß nicht! Das soll hier kein Waffenblog werden. Die ein oder andere Beschreibung oder Anmerkung werde ich aber bestimmt mal einstreuen. Ich habe z.B. mal über einen Beitrag zum Buntline Special nachgedacht. Ich werde dann aber versuchen nicht zu technisch zu werden. 


Wirst du viel über den Wilden Westen schreiben?

Da wird auf jeden Fall ab und zu eine kleine Geschichte kommen, Ich habe mich immer sehr für amerikanische Geschichte interessiert und jahrelang eine entsprechende Fachzeitschrift abonniert. Aber keine Sorge. Ein reiner Wild West Blog wird das hier nicht. 


Schreibst du auch einmal etwas über Piraten?

Ja, da wird es in Kürze eine Sage aus dem hiesigen Bereich geben und ein Beitrag über die Piraten der Karibik ist auch geplant. 


Kommt bald mal wieder eine Sage aus dem Ruhrgebiet?

Ja! 😉



Das war es erst mal!

Solltet ihr noch Fragen oder Anmerkungen haben, schreibt sie mir ruhig in die Kommentare.

Samstag, 18. Oktober 2025

Mach mir keine Fisimatenten!


"Mach mir ma keine Fismatenten!" Diesen Satz bekam in früheren Jahrzehnten, heute ist er leicht aus der Mode gekommen, so manche pubertierende junge Ruhrpottdame von ihrer Mutter bei Verlassen der Wohnung hinterher gerufen.

Gemeint ist und war damit, dass sie keinen Unsinn machen soll! Ich speziellen Fällen auch, dass sie gefälligst ihre Keuschheit zu bewahren hat.

Was soll das eigentlich sein diese "Fisimatenten"? Der Legende nach soll es aus dem Französischen stammen und eine Verballhornung von "Visitez ma tente!" (Besuchen sie mein  Zelt!) sein. Mit diesem Satz sollen Franzosen, die hier gelegentlich ungebeten zu Gast waren, etwa während der napoleonischen Kriege, oder der Besetzung des Ruhrgebietes, versucht haben die Ruhrpottmädels in ihr Nachtlager zu locken. 

Gefällt mir! Klingt plausibel! Passt aber leider nicht so ganz. Das Wort ist viel älter und geht möglicherweise auf das frühneuhochdeutsche Wort "Fisiment" zurück. Dieses bezeichnet einem bedeutungslosen (unsinnigen) Zierrat auf dem Wappenschild.

Na dann....! Die erste Erklärung gefiel mir trotzdem besser. 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Wer war Etta Place?

Der heutige Beitrag nimmt Bezug auf meinen  Artikel: Das Ende von Butch Cassidy.


Also wer war Etta Place, die sich auch Ethel Place nannte?

Der Forscher Larry Pointer, Autor des 1977 erschienenen Buches „In Search of Butch Cassidy“, schrieb, dass Places Identität und Schicksal „eines der faszinierendsten Rätsel der westlichen Geschichte sind. Hinweise entwickeln sich, nur um sich dann in Unklarheit aufzulösen.“ (1) 

Ähnlich wie bei "Butch Cassidy" oder "Sundance Kid" dürfte Etta Place nicht ihr richtiger Name, sondern eher ein Alias gewesen sein. 

Wie Etta Place aussah, wissen wir. Sie ist auf mehreren Bildern zu sehen. Unter anderen das bekannteste Bild, das sie gemeinsam mit Sundance Kid zeigt. Es soll 1901 von dem Fotografen De Young kurz nach der Hochzeit mit Harry Longabaugh, alias Sundance Kid aufgenommen worden sein.

Ein weiteres Bild zeigt sie mit Sundance Kid und Butch Cassidy vor ihrer Ranch in Argentinien.

Die Pinkerton Agentur, die im Auftrag der Bahngesellschaften nach der Bande und somit auch nach Etta Place fahndete, beschrieb sie als "klassisch gutaussehend, 27-28 Jahre alt, 163 - 165 cm groß, ca. 50-52 kg schwer, von mittlerer Statur, mit braunem Haar". 

Bei dem Namen war sich auch Pinkerton nicht ganz sicher. Auf den Steckbriefen, wurde sie "Etta", "Ethel", "Ethal" oder auch "Eva" genannt.

 




Ob Harry Longabaugh und Etta Place tatsächlich geheiratet haben ist nicht belegbar. Eine Heiratsurkunde existiert nicht.
Im deutschen Wikipedia-Artikel zu Butch Cassidy ist angegeben, dass sie Lehrerin war, 1907 in die USA zurückkehrte und dort an Krebs starb. (2)
Das ist aber mal wieder mehr als fraglich. Tatsächlich gilt Etta Place als vermisst. Wann  und woran sie starb ist nicht bekannt. 
Woher die beiden sich kannten ist ebenfalls nicht bekannt. 
Einige Theorien besagen, dass Etta Place eine Prostituierte war. Sundance Kid und die Wild Bunch-Gang besuchte häufig texanische Bordelle, Bei einen dieser Besuche könnte sie der Bande zum ersten Mal begegnet sein. In Frage kommen könnte hier Fannie Porters Bordell in San Antonio.
Porter führte ein nobleres Haus und bot ihre Mädchen gut zahlenden Kunden, darunter auch Gesetzlosen mit viel Geld an. 
Fannie Porters Bordell war einer der Treffpunkte für die Gang, nachdem sie von den Tatorten verschiedener Zugüberfälle und Raubüberfälle geflohen war.

Lehrerin oder Prostituierte oder beides nicht?
Nach einer weiteren Vermutung könnte es sich bei Etta Place um die Viehdiebin Ann Basset (1878-1956) gehandelt haben. Ann Basset sah Etta Place sehr ähnlich. Gesichtszüge, Körperbau und Haarfarbe sollen übereingestimmt haben. 
Anhand von Fotos beider Personen führte Dr. Thomas G. Kyle von der Computer Research Group des Los Alamos National Laboratory, phänotypische Vergleiche durch. Dr. Kyle kam zu dem Schluss, dass es keinen vernünftigen Zweifel daran geben könne, dass sie dieselbe Person seien. (3)
Als ehemaliger Kriminalist muss ich da anmerken, dass eine derartige Untersuchung hohe Anforderungen an das Vergleichsmaterial, hier die Bilder, stellt  und ein Gutachten mit 100 % Sicherheit bei dem fast 120 Jahre alten Bildmaterial vermutlich gar nicht möglich wäre. 
Das sich ein Gutachter so weit aus dem Fenster lehnt ist z.B. in Deutschland nicht üblich. 
Dr. Kyle purzelt deshalb auch aus selbigen. Ann Basset kann eigentlich nicht Etta Place sein, weil sie 1903 in Utah wegen Viehdiebstahls verhaftet wurde, während Etta Place nachweislich in Argentinien war. 


Auch Eunice Gray stand eine Zeitlang in Verdacht Etta Place gewesen zu sein. Eunice Gray betrieb jahrelang ein Bordell in Fort Worth. und betrieb später dort das Waco Hotel. Sie starb 1962 dort bei einem Brand. 
Die Annahme, dass sie Etta Place sei, basierte darauf, dass sie einen Reporter der "Fort Worth Press" einmal erzählte, dass sie die Stadt mal eine Zeitlang verlassen musste und in dieser Zeit in Südamerika war. Eunice Gray hatte nie behauptet, dass sie Etta Place sei. Es handelte sich lediglich um eine Vermutung des Reporters. 
Tatsächlich fuhr Eunice Gray erst 1911 nach Panama. Bilder belegen, dass sie eindeutig nicht Etta Place war. 

Die nächste Verdächtige und meine eindeutige Favoritin wäre Ethel Bishop. Diese arbeitete in dem Bordell von Madame Porter in San Antonio. Bei der Volkszählung von 1900 wurde ihr Beruf als "arbeitslose Musiklehrerin" angegeben. Sie wurde im September 1876 in West Virginia geboren. Die Angabe sie sei Lehrerin gewesen trifft auf sie genau so zu, wie die Behauptung, dass sie Prostituierte war. 

Und nun? 
Eine Variante hätte ich noch. Um Pinkerton in die Irre zu führen ließ sich Sundance Kid mit Ann Basset fotografieren. Etta Place wurde erfunden. Es gab sie gar nicht. Und Pinkerton suchte fleißig nach zwei Desperados in Begleitung einer schönen Frau. Dr. Kyle hätte doch recht und das spurlose Verschwinden von Etta wäre geklärt. 
Eine schöne Verschwörungstheorie die so vieles erklärt. Nur nicht das Bild und die Zeugenaussagen aus Südamerika. 

Letzte Spuren: 1907 soll sie noch in San Franzisko gelebt haben. Danach verschwand sie spurlos. 1909 tauchte eine Frau, auf die Ettas Beschreibung zutraf, in Chile bei dem US-Vizekonsul Frank Aller auf und bat um Hilfe bei der Beschaffung einer Sterbeurkunde für Harry Longabaugh. Die Identität der Frau wurde nie festgestellt und die Urkunde nie ausgestellt. 

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(1) Pointer, Larry (1977). In Search of Butch Cassidy, University of Oklahoma Press. 

(2 ) Als Quelle ist in Wikipedia angegeben:  Luis Sepulveda, Daniel Mordzinski: Dernières nouvelles du Sud. Éditions Métailé, Paris 2012, S. 96 ff.

(3) Reeve W. Paul "Just who was the Outlaw Queen Etta Place?"  Utah History to Go. History Blazer. Archived from the original on 21 June 2011. Retrieved 17 January 2019.

Freitag, 3. Oktober 2025

Die Zebrakutsche

 


Heute Abend stieß ich auf das obige Bild. Es zeigt eine Pferdekutsche, vor die vier Zebras als Zugpferde gespannt sind. 
Zebras sind als Reit- oder Zugtiere eigentlich nicht geeignet, was nicht nur an ihren wilden Temperament liegt, sondern auch daran, dass ihr Rücken nicht so belastbar ist, wie der eines Pferdes. 
Zudem verhalten sich Zebras Menschen gegenüber häufig aggressiv.
Trotzdem sieht man hin und wieder mal ein Bild, auf dem ein Zebra als Reittier zu sehen ist. 
Man könnte also leicht glauben, dass das Bild ein Fake ist. Ist es aber nicht.
Das Esel-Gespann gehörte dem Bankier Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild. 
Walter Rothschild wurde am 8.Februar 1866 in London geboren und starb am 27.August 1937 in Tring.
Er war nicht nur reich, wie man sich denken kann, sondern auch Zoologe.
Walter Rothschild betrieb in der Nähe seines Landhauses ein eigenes zoologisches Museum und besaß eine der größten naturkundlichen Sammlungen der Welt. 
Die Kutsche gab es tatsächlich. Die Zebras hatte er angeblich selbst gezähmt. 
Das Bild könnte aus dem aus dem Jahr 1898 stammen und bei meiner Recherche heute, habe ich noch ein paar ähnliche gefunden. 
Rothschild hat sich mit seinen Zebras anscheinend viel Mühe gegeben. 


Mittwoch, 24. September 2025

Butch Cassidys Ende

 

Meine Bini schaut mal wieder eine grässliche Familien-Western-Serie, ich versuche dabei zu lesen, schaue hin und wieder einmal hoch und mache eine klugscheißerische Bemerkung.

Als einer der Darsteller verkündet, dass er nach Bolivien gehen will, merke ich z.B. an, dass er Butch Cassidy grüßen soll. 

OK, der Spruch war jetzt leicht daneben. In der Serie kommt als Bösewicht auch George Armstrong Custer vor. Die Serie muss also vor 1876 spielen. Da war Butch Cassidy gerade mal 10 Jahre alt und an sein angebliches Ende in Bolivien noch nicht zu denken. 

Ich habe mich hier ja neulich schon als Wildwest-Fan geoutet und auch schon zugegeben, dass ich sehr gerne Filme schaue. 

Die beiden Revolvermänner und Bankräuber Butch Cassidy und Sundance Kid kennen Westernfreunde z.B. aus dem Film "Zwei Banditen". 

Falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, dann schaut ihn euch mal an, bevor ich euch hier kräftig spoiler! 

Hier erst einmal ein Foto, dass unter dem Namen "The Fort Worth Five" bekannt ist und beide Outlaws mit Mitgliedern ihrer Bande "The Wild Bunch" zeigt.

Sundance Kid ist vorne links und Butch Cassidy vorne rechts zu sehen. In der Mitte sitzt Benjamin Kilpatrick und hinten stehen William Carver und Harvey Logan.



Über das Foto, dass im Studio des Fotografen John Swartz in Fort Worth, Texas, aufgenommen wurde, freute sich auch die Pinkerton Agency, die es für die Fahndung nach der Bande nutzte. 

Der "Wilde Westen", den wir heute aus Filmen und Romanen kennen, umfasste zeitlich den Rahmen vom Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges im Jahr 1865, bis zum Ende der Indianerkriege im Jahr 1890, also einem Zeitraum von gerade mal 25 Jahren. Danach war die Pionierzeit beendet. Die Zeit des Wilden Westens ging langsam zu Ende. 

Kurz nach Beginn dieses Zeitraums wurde Butch Cassidy am 13. April 1866, als Robert Leroy Parker, in Utah geboren. Wie sich das im Wilden Westen gehört, soll er seine Outlaw-Karriere wohl als Viehdieb begonnen haben. 

Etwa 1884 änderte er seinen Namen in Butch Cassidy. 

Seinen ersten Raubüberfall beging er 1889 in Telluride, Colorado, wo er mit seiner Bande die San Miguel Valley Bank überfiel. 

Harry Alonzo Longabaugh wurde 1867 in Pennsylvania geboren. 
Er begann seine Karriere ganz standesgemäß mit Pferdediebstahl in Sundance, Wyoming und nannte sich nach diesem Ort "The Sundance Kid". 
1892 raubte er seinen ersten Zug aus. 

Ungefähr ab 1896, wie oben erwähnt lag der "Wilde Westen" in seinen letzten Zügen, führten Butch Cassidy und Sundance Kid die Bande "The Wild Bunch" an. 
Der Druck durch Viehzüchter und Eisenbahnunternehmer nahm aber immer mehr zu und die Bande wurde von den Pinkertons gejagt. 
1901 wurde es für die beiden langsam eng und sie setzten sich gemeinsam mit Sundance Freundin, Etta Place, nach Buenos Aires ab. 
Die drei kauften Land in Patagonien und verhielten sich zunächst still. 
Trotz 50.000 Dollar Kopfgeld das auf Cassidy ausgesetzt war, verlief die Suche der Pinkerton Agency erfolglos, was aber zum großen Teil auch an den eher lustlosen Detektiven lag, welche die Suche einfach abbrachen, oder sich gleich Cassidys neuer Bande anschlossen. 
Die begann damit Banken in Südamerika zu überfallen. 1907 stellte die Bande ihre Überfälle ein. Etta Place soll zurück in die Vereinigten Staaten gegangen sein. Einer meiner nächsten Beiträge wird übrigens den Titel "Wer war Etta Place?" tragen. 
Cassidy und Sundance verkauften die Farm und gingen nach Feuerland. Dort begannen sie wieder mit Raubüberfällen. 

Und hier komm ich nun endlich zum Thema und zur Schlussszene des Films "Butch Cassidy and the Sundance Kid", der in Deutschland unter dem Titel "Zwei Banditen" lief. 

Die beiden Banditen, dargestellt von Robert Redford und Paul Newman sitzen in der Bank fest, die von der Polizei umstellt wurde. Beide wissen nicht, dass diese mittlerweile auch die bolivianische Armee dazu geholt hat.. 
In der letzten Einstellung springen beide todesmutig mit gezogenen Waffen aus der Bank. Der Film endet hier. Dass sie erschossen werden wird nicht gezeigt. 

Der Ort war San Vicente, ein kleines Dorf in Bolivien. Eine Gedenktafel erinnert an die beiden Banditen, die dort auf dem Friedhof begraben wurden. 

Wurden sie tatsächlich? 
Butch Cassidys Schwester Lula Parker Betenson behauptete später, Butch sei zurückgekehrt. Gerüchte besagten er hätte unter falschen Namen bis 1937 in den USA gelebt. Auch Sundance Kid soll später Etta geheiratet und noch bis 1936 unter falschen Namen in den USA gelebt haben. 

Soll man das glauben?
1992 wurde das Grab mit den Gebeinen der "US-Desperados" exhumiert. Ein durchgeführter DNA-Test ergab, dass es sich bei den Überresten um die eines deutschen Ingenieurs und nicht um die von Butch Cassidy oder Sundance Kid handelt. 

Das die beiden in San Vicente ums Leben kamen ist deshalb zumindest fragwürdig. Auch das es sich bei den dort angeblich aufgetreten  "US-Desperados" überhaupt um Cassidy und Sundance gehandelt hat, ist unbelegt. 

Was tatsächlich aus den "Zwei Banditen" geworden ist, werden wir wohl so schnell nicht herausfinden. 

Samstag, 20. September 2025

Pater und Nonne

 






Auf den Bildern oben sind Pater und Nonne, zwei etwa 60 m hohe Felsen aus Massenkalk in Iserlohn-Oestrich, zu sehen.
In den Felsen liegt der Eingang der Grürmannshöhle, die allerdings nach wenigen Metern durch eine Betonwand verschlossen wurde.
Früher bin ich in den Felsen mal herumgeklettert und habe nach Mineralien und Fossilien gesucht.
Das ist heute leider nicht mehr möglich. Das Gelände steht seit 1997 unter Naturschutz.

Zu solch markanten Felsen gibt es natürlich auch eine Sage. 

Vor langer Zeit soll in einem nahegelegenen Kloster ein streitsüchtiger Mönch gelebt haben, der von der strengen Zucht im Kloster nichts wissen wollte.
Er lachte über die Drohungen seiner Mitbrüder, brach aus seiner Zelle aus und baute sich ein Schloss auf dem Burgberg, wo er mit seinen Gesellen in Saus und Braus lebte. So ganz ohne Frau ist das natürlich auch blöd, weshalb er um eine Nonne warb, die nicht ganz freiwillig in ihrem Kloster war. Nach der erfolgreichen Befreiung folgte sie ihm auch willig auf die Burg.
Beide lebten fortan zusammen, legten aber ihre langen weißen Klostergewänder nicht ab.
Viele Jahre später kam ein Bischof vorbei, den sie den Weg verlegten, ihn ausraubten und schikanierten.
Den empörten Bischof, der ihnen lautstark ihr heidnisches Gebaren vorwarf, warfen sie schließlich in die Lenne.
Da bebte die Erde und dass Schloss versank mit allem was darin war im Boden. Die beiden Übeltäter aber wurden vom Blitz getroffen, verwandelten sich in Felsen und müssen zur Mahnung dort bis zum jüngsten Tag stehen.


Und der Bischof? Was mit ihm geschah ist nicht überliefert. Aber ich kann noch anmerken, dass die Lenne dort nicht sehr tief ist. 

Samstag, 13. September 2025

Bärentöter, Henrystutzen und Silberbüchse


Seit frühester Kindheit, also sobald ich lesen konnte, war ich ein Fan von Wildwest-Romanen. Von denen hatten wir immer einen kleinen Stapel in Heftform im Haus. Die wurden nach dem Lesen, auch immer gleich stapelweise mit Nachbarn und Arbeitskollegen gegen Nachschub getauscht. 

Von meiner Großmutter bekam ich dann zu Weihnachten mein erstes Karl May Buch, Winnetou 1, geschenkt. 

Ich war begeistert und bekam daraufhin von Oma jedes Jahr zu Weihnachten ein weiteres Werk von Karl May.

Irgendwann merkte mein Vater mal an, dass Karl May die Länder über die er schrieb nie besucht hätte. 

Abgesehen davon, dass diese Behauptung nicht ganz richtig war, verstand ich irgendwie nie, warum das wichtig sein sollte.  Walter Ernsting (Clark Darlton) und  Karl-Herbert Scheer waren schließlich auch nie im Weltraum und schrieben trotzdem Science-Fiction. (Ich las damals nicht nur Western.). 

Später erfuhr ich dann, dass Karl May zu seiner Zeit ein riesiger Hochstapler war. 

Während wir heute seine Bücher als Romane ansehen, stellte May sie damals als echte Reiseberichte und sich selbst als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi dar. 

Damals wie heute galt: "Zeig uns Pics sonst glauben wir nix!"  Er zeigte sich deshalb auch im passenden Outfit. Es gab Postkarten und die passenden Gewehre mussten natürlich auch her. 

Als Old Shatterhand brauchte er da den gewaltigen Bärentöter und für die überlegende Feuerkraft den Henrystutzen. Sein Blutsbruder Winnetou hatte nur ein Gewehr, die Silberbüchse. Nach Winnetous traurigen Ableben in Winnetou 3, erbte er dann auch die Büchse und mit ihr auch alle Apachenstämme. 

Die Waffen ließ Karl May dann, um sein Cosplay zu vervollständigen, tatsächlich anfertigen. 



Karl May als Old Shatterhand mit Silberbüchse


Über diese Waffen möchte ich heute dann ein wenig erzählen und beginne mit dem Monster, dem Bärentöter. 

"Der Bärentöter ist ein doppelt Vorderlader mit 2löthigen Kugeln. Treffsicherheit 1.800 Meter, Gewicht 20 alte Pfund; es gehört also ein sehr kräftiger Mann dazu. Verfertigt von der berühmten Firma M. Flirr. San Francisco. Es ist das einzige Gewehr seiner Art." 

Das schrieb May 1894 an seinen begeisterten Fan Carl Jung. Berühmt war die Firma Flirr eher nicht. Es gab sie vermutlich gar nicht. Und eine Treffsicherheit auf 1800 Meter? Mit einem Vorderlader? Niemals! Selbst mit modernen Patronen, etwa einer 300 Winchester Magnum kann man heute nur 1.000 bis 1.100 Meter weit effektiv schießen. 

May ließ sich aber einen Bärentöter bauen. Nicht in San Franzisko, sondern in Dresden. Der Büchsenmacher Oskar Max Fuchs bekam den Auftrag den Bärentöter und die Silberbüchse herzustellen. Die Gewehre wurden  1896 gebaut und das Ganze musste natürlich geheim bleiben. Fuchs hielt sich auch tatsächlich daran. Erst 1937 gab er bekannt, dass er die beiden Waffen für May gebaut und 1902 den Kauf des "Henrystutzen" vermittelt hatte.  
Der Bärentöter hat einen Doppellauf und ein Kaliber von 22,2 mm. Ausgegeben wurde er als englische Jagdbüchse zur Elefantenjagd. Die Läufe erwarb Fuchs bei der Artilleriewerkstatt in Dresden.  Es handelte sich dabei um die Läufe von ehemaligen Wallbüchsen. Derartige Waffen sind schwer, haben einen heftigen Rückstoß und können deshalb gewöhnlich nur aufgelegt geschossen werden. 
Fuchs schlug dazu die fiktive Herstellermarke  "Burton 1855 Kent" in den Lauf ein. Dazu wurde noch ein Schaft angeschraubt. Das Gewehr, es befindet sich heute, mit den beiden anderen Waffen, im Karl-May-Museum in Radebeul, wiegt stolze 10,4 kg. 
Will man damit tatsächlich einen Bären töten, muss man ihn allerdings mit der Waffe erschlagen. Schießen konnte man damit nie. 
 



Karl May als Old Shatterhand mit Bärentöter.


Die Silberbüchse war das Gewehr von Winnetou. Die ebenfalls von Oskar Max Fuchs gefertigte Waffe ist ein gewöhnlicher zweiläufiger Vorderlader. Ein Ladestock fehlt. Die Holzteile des Gewehres sind mit silberfarbenen Nägeln beschlagen. 
Auf dem Schaft befindet sich auf der linken Seite ein "W", das für Winnetou stehen soll. Auf der rechten Seite befinden sich die Buchstaben "NS". May gab dazu an, dass diese für "Nonton Shis inte" stehen, was "Häuptling der Apachen" heißen soll. 
Die Silberbüchse ist deutlich leichter als der Bärentöter, sie wiegt nur 6 kg. Schießen kann man mit ihr aber ebenfalls nicht. Fuchs bohrte keine Zündkanäle. 


Kommen wir nun zum Henrystutzen.

Stutzen ist die deutsche Bezeichnung für ein kurzes handliches Jagdgewehr, das bevorzugt für die Pirschjagd eingesetzt wird. 

Der kurze Lauf hat natürlich bei der Verwendung von großen Patronen ein paar Nachteile, wie z.B. ein großes Mündungsfeuer bei größeren Gewehrkalibern. In Stutzen werden deshalb gewöhnlich kleinere Patronen verwendet. 

Unser Old Shatterhand verwendet einen "Stutzen" des Erfinders Henry. 

Benjamin Tyler Henry arbeitete bei der NEW HAVEN ARMS Co. von Oliver Winchester. Die Gewehre, konstruiert als Unterhebelrepetierer wurden 1860 als Henry Rifle patentiert. Für das Gewehr wurde eine spezielle Patrone im Kaliber 44 Henry mit Randzündung entwickelt. Von denen passten 15 in das Röhrenmagazin. Mit einer Patrone im Lauf hatte man also 16 Schuss zur Verfügung. 

In Serie ging die Waffe dann 1862. Insgesamt wurden 12.800 Stück hergestellt. Der Nachfolger war dann die Winchester 1866. 

Also gar nicht mal so selten diese Waffe. 

May hatte von der Henry Rifle vermutlich schon mal gehört, aber ansonsten von dieser Waffe keine erkennbare Ahnung. Dafür hatte er Fantasie. 

Old Shatterhand bekommt seinen Henrystutzen direkt vom Büchsenmacher Henry. Das Gewehr ist natürlich extrem selten, beinahe ein Einzelstück. Zum Kaliber schweigt er sich aus, dafür gibt er die viel zu hohe Magazinkapazität von  25 Schuss an, was ihm dann eine überlegene Feuerkraft verleiht. 

Zur Funktion der Waffe machte er widersprüchliche Angaben und beschrieb einen "Kugelverschluss", was auch immer das sein soll, statt einen Unterhebelrepetierer mit Röhrenmagazin. 

Auf dem folgenden Bild, das Karl May im Old Shatterhand Outfit zeigt, verdeckt er vermutlich aus diesem Grund mit der linken Hand den Verschlusskasten. Daraus ergibt sich auch eine sehr merkwürdige Waffenhaltung. 




Zuhalten des Verschlusses nutzt aber nur bei Laien etwas. Leute, die sich mit Waffen auskennen, bemerken, dass das Gewehr auf dem Bild, weder über ein Röhrenmagazin, noch über ein Stangen- oder Trommelmagazin verfügt, welche 25 Patronen fassen könnten. 
Ernst Weber berichtete später, dass Karl May während seiner Vortragsreise 1897 darauf angesprochen wurde:

"Gestatten Sie eine Frage, Herr Doktor", bemerkte ein Herr aus unserer Gesellschaft, als Karl May auf seinen Stutzen zu sprechen kam, "Sie erzählen da, dass Sie fünfundzwanzigmal schießen, ohne zu laden. Das ist nur bei einem Magazingewehr möglich. Ihr Henrystutzen ist keines, wie die Photographie zeigt. Ihre Behauptung scheint mir darum unmöglich".

May, welcher eine Zeitlang einen falschen Doktortitel führte, entgegnete:

"Das verstehen Sie nicht, mein Herr!"

Der Mann war jedoch vom Fach, genauer Offizier und Beamter der Artillerie-Werkstätte, beschäftigte sich also beruflich mit Waffen aller Art. 

Old Shatterhand dazu:

"Mag sein! Sie können in Ihrem Beruf ja ganz tüchtig sein; meinen Henrystutzen begreifen Sie darum doch nicht. Das ganze Geheimnis liegt zwischen Lauf und Laufmantel. Vielleicht erfahren Sie einmal später davon. Ich habe nur noch zwei große Lebenszwecke zu erfüllen: eine Mission bei den Apatschen, deren Häuptling ich bin, und eine Reise zu meinem Halef, dem obersten Scheik der Haddedihn-Araber. Dann aber werde ich vor den deutschen Kaiser treten: 'Majestät, wir wollen einmal miteinander schießen.' Ich werde ihm meinen Henrystutzen vorführen. Derselbe wird in der gesamten deutschen Armee eingeführt werden, und kein Volk der Erde wird dann je den Deutschen widerstehen können".(1)

Mit der Veröffentlichung dieses Gespräches war May nicht so glücklich und griff Weber in einen offenen Brief an den Dresdner Anzeiger deshalb kräftig an. Zum Henrystutzen schrieb er:

"Jeder Sachverständige weiß, dass ein so vielschüssiges Gewehr kein Magazingewehr, sondern nur ein Paternosterlader sein kann. Der angebliche Offizier war also in Wirklichkeit kein Offizier, sonst müsste er noch heute über die ihm gewordene Abfuhr erröten, sondern höchstens ein Berichterstatter mit einem Honorar von 10 Pfennigen die Zeile."

Was ein Paternosterlader sein soll, wusste wohl nur May. Und wo die Munition für den ladenden Paternoster herkommen soll, wenn nicht aus einen Magazin, wohl auch. 

Das Gewehr, das May später als Henrystutzen vorzeigte, kaufte er wie bereits erwähnt erst 1902. 
Es handelte sich um eine handelsübliche Winchester 1866.


Jetzt komme ich mal langsam zum Schluss. Eingangs hatte ich ja erwähnt, dass die Behauptung meines Vaters, dass Karl May die Länder über die er schrieb nie besucht hätte, nicht ganz richtig sei. 
Tatsächlich reiste Mai 1899 in den Orient. 
Seine Traumwelt hielt der Realität aber wohl nicht stand. Er soll zweimal einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. 
1908 unternahm er eine mehrwöchige Amerikareise, die als Inspiration für sein Buch Winnetou IV (Winnetous Erben) diente. 

Jetzt mach ich Schluss, hoffe dass ich nicht zu waffentechnisch geworden bin....meine Frau sagt mir gerade doch, hoffe ihr hattet trotzdem euren Spaß und wünsche euch noch ein schönes Wochenende! 




1. Ernst Weber: Karl May. Eine kritische Plauderei. In: Zur Jugendschriftenfrage, Leipzig 1903

Donnerstag, 28. August 2025

Barry Larry Terry und der Waschbär

 


Das City of Moulton Police Department fahndet nach Barry Larry Terry, dem der illegale Besitz eines wilden Waschbären und das Radfahren ohne Licht vorgeworfen wird. 

Kurz frage ich mich, wie die den Schurken jemals anklagen wollen, wenn die Generalstaatsanwaltschaft der USA es noch nicht einmal schafft einen Bürger vor eine Grand Jury zu zerren, der einen Bundesbeamten mit Butterbroten bewirft. 

Aber das ist eine andere Geschichte. 

Das City of Moulton Police Department liegt in Alabama, was die Geschichte schon fast glaubwürdig macht. Na ja, sie stimmt trotzdem nicht so richtig. 

Barry Larry Terry ist nach meinen kurzen Recherchen nämlich ein Scherz des Officers Russel Graham. 

Das Bild von Barry ist ein Fake, oder wie wie bei der Polizei in Deutschland sagten würden, eine virtuelle Person. Derartige Bilder werden z.B. bei Lichtbildvorlagen, der modernen Version der Gegenüberstellung,  benutzt. Die Bilder sehen häufig sehr, sagen wir mal witzig, aus. 

So auch das Bild  von "Barry".

Officer Graham hat sich deshalb einen Scherz erlaubt, das Bild zusammen mit echten Fahndungsbildern auf der Facebook-Seite des Departments gepostet und war ganz erstaunt, dass es in kürzester Zeit 6000 Mal geteilt wurde.

Mittlerweile wird auch schon auf anderen Plattformen, z.B. Tumblr,  nach dem angeblichen Waschbärenbesitzer gefahndet. 

Ich wette jetzt mal, dass Barry zu einer urbanen Legende werden wird. Und deshalb hat er jetzt auch hier seinen Platz gefunden. 

Donnerstag, 14. August 2025

Die verzauberte Zwiebel

Ich habe euch ja vor einiger Zeit bereits von der Speichenhexe, welche in Breckerfeld ihr Unwesen trieb erzählt. 

Die ungute Frau hatte es ja auf Fuhrleute abgesehen. Wer nun glaubt, dass man als Fußgänger nicht nur etwas für die Umwelt tut, sondern auch vor besagter Hexe sicher ist, dem kann ich die folgende Geschichte erzählen:

In Breckerfeld gibt es den Epscheider Bach, an dem die Epscheider Mühle liegt. Dort führt über den besagten Bach eine Brücke. 

Der Held unserer Geschichte, ein Schmied, hatte den Abend im Wirtshaus verbracht, den einen oder anderen Krug geleert und sich nun, so gegen Mitternacht auf dem Weg nach Hause gemacht. 

Dabei überquerte er auch, leicht torkelnd, die Brücke, wo er von einer alten Frau angesprochen wurde:

"Du isst doch bestimmt gerne Zwiebeln. Schau mal, was ich hier für schöne große Zwiebeln habe. Möchtest du eine haben?"

Dabei hielt sie ihm ein wirkliches Prachtexemplar von einer Zwiebel hin. Nun sollten einem Frauen, die um Mitternacht in abgelegenen Gegenden Zwiebeln verschenken, suspekt vorkommen, unser Schmied kam aber wie bereits erwähnt, wie man hier sagt "angeschickert" aus der Dorfkneipe. 

Dem schönen Gemüse konnte er deshalb nicht widerstehen und nahm es dankend entgegen. 

Sobald er zu Hause war, wollte er sich noch einen kleinen Mitternachtsimbiss gönnen, griff  sich ein Messer und schnitt die Zwiebel in der Mitte durch. 

Da entsprang den beiden Hälften eine Unzahl von Fröschen und Kröten. Der Schmied erschrak fast zu Tode, fluchte laut und warf die beiden Hälften weit fort in den Bach. 

Wütend fluchte und schimpfte er auf die Hexe, die er in der Ferne schallend lachen hörte. 


Ob das wohl unsere bereits bekannte Speichenhexe war?  

Montag, 4. August 2025

Der große König, Juristen und Roben

In der letzten Woche habe ich mir aufgrund einer Empfehlung den Film "Der große König" angeschaut. 

Hier sollte deshalb mal wieder, ähnlich wie beim Hauptmann von Köpenick, der erste Teil eines Mehrteilers stehen. 

Es ging um den preußischen König Friedrich II., also um den "Alten Fritz", oder Friedrich den Großen. 

Der Film beginnt mit der Schlacht bei Kunersdorf, also mit einer vernichtenden Niederlage der Preußen.

Und kurz darauf schaue ich auch schon nach, wann der Film eigentlich gedreht wurde. 

1942, im Auftrag von Goebbels. Also ein so genannter Durchhaltefilm. Ich halte auch durch bis zum Ende. Es ist mir aber wirklich schwer gefallen.

Der König als armer geplagter "Führer". Die Schlacht nur verloren, weil die Soldaten nicht durchgehalten haben. Das Volk nicht standhaft. Die Nebenhandlung, ein tapferer Soldat, der sich ungerecht behandelt fühlt, die treue Ehefrau, die ihn zur Pflichterfüllung ermahnt. Am Ende stirbt er tapfer den Heldentod und die stolze Frau darf das Kind allein groß ziehen, alles wird gut. 

So ein....! 

Dazu noch ein fetter historischer Fehler. Fritzes Lieblingsneffe, Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen, stirbt im Film als frisch ernannter Leutnant, noch vor der letzten siegreichen Schlacht von Schweidnitz, in Berlin an den Blattern. 

Tatsächlich starb Prinz Heinrich der Jüngere erst 1767, als frisch ernannter Generalmajor.

Ein bisschen Geschichtsfälschung, sonst wäre der Führer, äh der König natürlich, am Ende ja nicht so theatralisch einsam gewesen.

Mit dem Film möchte ich mich nicht weiter beschäftigen. Der Mehrteiler fällt deshalb aus! 

Stattdessen gibt es noch eine ganz kurze Anekdote. 

Friedrich II. war und ist ja bei Juristen nicht besonders gut angesehen.

Deshalb wird ihm auch gerne die "Erfindung" der Juristenrobe angedichtet. Die stammt aber gar nicht von ihm, sondern von seinem Vater, König Friedrich Wilhelm I. 

Der mochte Juristen auch nicht besonders und erließ am 15.12.1726 die folgende Kabinettsorder: 


“Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, daß die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt.”


Also nicht das 300 jährige Jubiläum im nächsten Jahr verpassen! 
Auf den o.g. Film könnt ihr dagegen ruhig verzichten. 

Samstag, 26. Juli 2025

Von Elefanten, Schwebebahnen und Eiffeltürmen

Für Morgen ist mal wieder ein Besuch in Wuppertal geplant und ich hoffe, dass ich auch Zeit für eine kleine Fahrt mit der Schwebebahn habe. 

Vor Jahren schon mal in einen anderen Blog einen Beitrag zur Schwebebahn geschrieben, den ich nun tatsächlich wiedergefunden habe. Er hat mittlerweile das stolze Alter von 12 Jahren. Wie die Zeit vergeht...

Ich saß damals zuhause, schnupfte Taschentücher voll, las Blogs, kramte in alten Bildern und stieß dabei auf einen Beitrag über Paris. 

Zu Paris fiel mir ein, dass ich auch schon mal dort war. Und eine kleine Geschichte zum Eiffelturm kenne ich auch. Und weil sich die Geschichte um Elefanten dreht, passte sie dann auch zur Schwebebahn in Wuppertal.



Der Eiffelturm, nicht 1948, sondern 1983. Von mir geknipst, aber ohne Elefant und ohne Zirkus



Und nun zur Geschichte:

1948 hatte der Circus Bouglione sein Zelt direkt unter dem Eiffelturm aufgebaut.
Ich war ja, wie erwähnt auch schon mal dort, allerdings ohne Zelt, kann Euch aber versichern, dass so ein Zelt locker darunter passt.
Eine der Attraktionen des Circus Bouglione war ein Elefant dessen Namen ich nicht kenne, von dem ich aber weiß, dass er mit seinen 85 Jahren der älteste Elefant der Welt gewesen sein soll.
Menschen machen ja sehr häufig komische Sachen mit Elefanten. Ich erinnere hier mal an die Elefantenkuh Tuffi, die zu Werbezwecken in die Wuppertaler Schwebebahn gestopft wurde.
Tuffi, beim Zirkus Althoff beschäftigt, wurde das nach der Abfahrt allerdings zu viel, sie rannte durch den Triebwagen durchbrach eine Seitenwand und plumpste in die Wupper.
Es waren zwar dutzende Fotografen anwesend, aus Panik drückte aber niemand auf den Auslöser. Deshalb gibt es vom Tuffi-Sprung nur eine schlechte Fotomontage. Und die Milchwerke Köln-Wuppertal verkauften ihre Produkte fortan unter dem Namen Tuffi.
Auch der Herr Bouglione, um auf den Eiffelturm zurückzukommen, hatte so eine merkwürdige Idee und verfrachtete, schon zwei Jahre vor Tuffi, seinen uralten Elefanten auf die erste Plattform des Turms.
Dabei ging alles glatt, weshalb sich im Gegensatz zu Tuffi auch niemand an den Namen des Elefanten erinnert.
Dafür dürfte er seit Errichtung des Turms der bis heute schwerste Besucher des Eiffelturms gewesen sein.
Den Circus Bouglione in Paris gibt es heute noch und er behauptet der älteste Zirkus der Welt zu sein. . Werbung zahlt sich eben manchmal aus.

Mittwoch, 16. Juli 2025

Die Kommunistenkurve

Ich habe am Montag eine "Dokumentation" gesehen.

Die Sendung lief vor über einem Jahr auf einem Privatsender und wurde anschließend vom Sender auch auf YouTube hochgeladen. Am Montag hat sie es dann aus irgendwelchen Gründen in meine Vorschlagsliste geschafft. 

Es ging um "geheime Plätze" in Dortmund. Wenn ich jetzt alle Fehler und falschen Behauptungen durchgehe, die da verbreitet wurden, wird das hier wieder ein Mehrteiler wie beim Hauptmann von Köpenick. Nur länger vermutlich. 

Ok, es gab drei "geheime Orte". Die Technik der LED-Bildschirme vom Dortmunder U ist jetzt nicht besonders versteckt und ob ein Sternekoch in einer ehemaligen Fabrikhalle ein überteuertes Menü auftischt ist jetzt auch nicht unbedingt ein Staatsgeheimnis. Eher versteckte Werbung. 

Aber den Beitrag mit der Kommunistenkurve fand ich interessant. Versteckt irgendwo in Dortmund, stehen halb von Erde bedeckt Denkmäler aus Sowjetzeiten. Die kennt dann auch niemand bis auf die bekannteste Stadtführerin von Dortmund. 

Was für ein....

Na ja, ich hatte davon schon einmal gehört. Die Dortmunder können die Kommunistenkurve auch nicht finden, weil sie gar nicht in Dortmund ist, sondern in der Nachbarstadt Lünen. 

Dort stehen die besagten Köpfe im Seepark und sind eigentlich vom Weg aus zu sehen und leicht zu finden. 

Also nichts mit großem Geheimnis. 

Und weil ich noch nie dort war, bin ich am Dienstag dann einfach mal dort hin gefahren. 

Mit Bus, Bahn und Schienenersatzverkehr habe ich es dann tatsächlich geschafft anzukommen, habe noch eine schöne Wanderung in Lünen gemacht und die alten Kommunistenköppe fotografiert. 





Und was hat es nun damit auf sich? 
Dort wo sich heute der Seepark befindet, war früher die Zeche Preußen. Die Zeche wurde bereits 1929 stillgelegt. Auf dem Gelände wurde ein Park errichtet, in dem 1996 die Landesgartenschau stattfand. 
Derweil standen im Standort Lünen der Hüttenwerke Kayser noch einige Denkmäler aus Sowjetzeiten herum, die dort eingeschmolzen werden sollten. 
Die damalige Lünener Bürgermeisterin, Christina Dörr-Schmidt, soll die Denkmäler entdeckt und die Idee gehabt haben, daraus eine Kunstinstallation zu errichten. Und so landeten Lenin, Engels und Genossen bei der Landesgartenschau in Lünen um dort den Niedergang der Sowjetunion und ihrer Ikonen und den damit verbundenen Personenkult zu symbolisieren. 
Und da stehen sie halt noch heute. 






Sollte mir also noch mal so eine Dummfugsendung aufgetischt werden, dann werde ich sie vermutlich wieder anschauen. Immerhin gab sie mir die Idee für eine schöne kleine Expedition ins Ruhrgebiet. 

Dienstag, 15. Juli 2025

Der Untergang von Pompeji

 




Ich gebe es ja zu! Die letzten Tage war ich ein  wenig schreibfaul.
Es drängte sich auch kein Thema auf. 
Jetzt habe ich in meinen Bilderarchiv aber ein paar Fotos von 2022 gefunden. 
Meine Frau war zur Kur in Bad Rothenfelde und ich habe sie am Wochenende dort besucht.
Die Gelegenheit haben wir dann genutzt und das Museum in Kalkriese besucht.
Wir erinnern uns:

Im Jahre 9 n. Chr. zog ein Herr Varus mit einer Reisegruppe von ca. 18.000 Römern hier durch um den germanischen Stämmen zu zeigen, wer der Chef ist.
Wie das ausging wissen wir alle.
In Kalkriese gibt es heute ein Museum zur Varusschlacht und dort gab es  eine Sonderausstellung zum Untergang von Pompeji.
Also nur Katastrophen dort zu sehen.

Damit währen wir dann beim Thema. 70 Jahre nach der Varusschlacht, also im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv aus. Die Lavamassen verschütteten das antike Pompeji, sowie die Nachbarstädte Herculaneum und Stabiae. 
Schätzungsweise kamen dabei etwa 2000 Menschen ums Leben, während 18.000 noch fliehen konnten. 
Pompeji geriet im Laufe der Zeit weitgehend in Vergessenheit und wurde nur hin und wieder von Grabräubern besucht. 
Wissenschaftliche Ausgrabungen begannen offiziell am 6.April 1748, nachdem bereits seit 1709 Grabungen in Herculaneum durchgeführt wurden. 

Die Bilder oben zeigen drei Fundstücke aus Pompeji. 

Insgesamt gefiel mir die Sonderausstellung damals besser als das Museum. Ich schau mir halt gerne Artefakte an und bin nicht so der Freund von Animationen und moderner Museumspädagogik. 
Also liebe Museen: Zeigt wieder mehr Fundstücke und nicht dunkle Kästen, wo man reingreifen und Wolle ertasten kann (Hab ganz vergessen, wo das war!)!

So jetzt habe ich auch genug geschrieben um euch drei Bilder zu zeigen. Bis zum nächsten Mal! 

Dienstag, 8. Juli 2025

Die Speichenhexe

 Wo wir schon mal bei Hexen waren , kann ich auch gleich noch eine Geschichte nachlegen. 

Neulich war ich mit einem Kollegen in Breckerfeld wandern. Dabei gingen wir auf dem Rückweg auch über den Wengeberg und machten dabei ordentlich Höhenmeter. Der Wengeberg ist nämlich mit 442 Metern die höchste Erhebung im Ennepe-Ruhr-Kreis. 

Über den Wengeberg führt die gut ausgebaute Landstraße L528. Aber auch in früheren Zeiten gab es hier bereits eine Straße. 

Und eine Hexe! Nämlich die Speichenhexe, die hier an der Straße ihr Unwesen getrieben haben soll.

Ein Breckerfelder Bauer soll einst mit seinem Fuhrwerk, im dichten Nebel auf dem Weg nach Hause gewesen sein, als er aus dem Unterholz lautes Wimmern und Stöhnen hörte. Obwohl der Bauer wusste, das es am Wengeberg spukt, hielt er an und kletterte von seinem Kutschbock. Wenn ein Mensch in Not war, musste er helfen. 

Mühsam kämpfte er sich durch das dichte Gestrüpp, bis er plötzlich vor einer grausig aussehenden Hexe stand.

Wirre zottelige Haare, eine lange mit Warzen übersäte Nase, ein einzelner gelber Zahn ragte aus ihren vertrockneten Mund (Wie man sich eine Hexe der hässlichen Art halt vorstellt!).

"Hilf mir Bauer! Ich stecke in einer Astgabel fest! Hol deine Axt und befreie mich! Schlag mir das Bein ab, damit ich los komme!"

Unserem hilfsbereiten Bauern war das nun aber doch zu gruselig. Unter lauten Gezeter und Fluchen der Hexe machte er das er wegkam. Drei Tage hörte man die Hexe noch schreien und fluchen, dann war Stille.

Seit jenem Tag aber bleiben immer wieder Wagen ohne erkennbaren Grund auf der Straße stecken und lassen sich trotz aller Mühe nicht mehr fort bewegen. Als wäre der Wagen festgehext. 

So soll es dann auch einige Zeit später unseren bereits bekannten Bauern gegangen sein. Der hatte aber eine Idee:

Um seinen Wagen zu befreien zerschlug er mit der Axt eine Speiche des festsitzenden Wagenrades mit den Worten: "Du hast mich festgesetzt, darum zerschlag ich dir die Speiche jetzt!"

Und schon war der Wagen frei und der Bauer konnte weiter. 


Mit Ende der Pferdewagen ging dann wohl auch die Hexe in den Ruhestand. Am Wengeberg bleibt man in heutiger Zeit wohl nicht mehr so oft stecken. Und solltet ihr doch mal liegen bleiben, dann zerdeppert nicht eure Leichtmetallfelgen, sondern ruft einfach den Pannendienst. 

Samstag, 28. Juni 2025

Tam o`Shanter

 

Lust auf eine Hexengeschichte? 

Ja, ich habe eine. Sie basiert auf dem Gedicht "Tam o`Shanter" des schottischen Dichters Robert Burns (* 25. Januar 1759 in Alloway, Ayrshire; † 21. Juli 1796 in Dumfries, Dumfriesshire), das dieser im Jahr 1790 schrieb. 


Held dieser Geschichte ist der Bauer Tam, der den Markt in Ayr, einer Stadt in Südwesten Schottlands, besucht. 

Seine Frau wartet derweil zu Hause und zieht, zumindest in der Vorstellung Tams, die Stirn in Falten und pflegt ihren Groll. 

Tam ist nämlich in ihren Augen ein sehr lockerer Vogel, ein Nichtsnutz, Angeber und Kneipenhocker. 

So ganz unrecht scheint sie damit nicht zu haben. Tam säuft die ganze Saison durch an jedem Markttag. 

Die Ratschläge seiner Frau, die Gute heißt übrigens Kathy, beachtet er natürlich gar nicht.

Auch diesmal nicht. Schließlich hat er seinen Saufkumpel, den Schuster John, getroffen, sitzt in der Kneipe am warmen Kamin, trinkt außergewöhnlich gutes Bier und fummelt mit der Wirtin, während John dem Wirt wilde Geschichten erzählt. 

Währenddessen zieht draußen ein heftiger Gewittersturm auf. Es hilft alles nichts, Tam muss nach Hause!

Und das in einer Nacht, wo im wahrsten Sinne des Wortes, der Teufel los ist. 

So schwingt sich Tam schließlich trotz des Wetters auf sein treues altes Pferd Maggie und reitet heimwärts. Regen Sturm und Blitze ignorierend, zieht er sich die Mütze tiefer ins Gesicht und summt ein Liedchen. 

Hin und wieder schaut er sich aber wachsam um, als er sich der alten Kirche von Alloway, nähert. So manches Unglück hat sich hier schon ereignet und mancher kam dabei ums Leben. All das soll von der alten Kirche ausgehen, in der es spukt.

Als er an der Ruine vorbei kommt, ist diese tatsächlich hell erleuchtet und Tam hört den Lärm von lauten Singen und Tanzen. 

Alkohol macht mutig und Tam ist immer noch ausreichend betrunken, weshalb er zur Kirche reitet und neugierig einen Blick hinein wirft. 

Hexen und Warlocks (Hexenmeister) tanzen dort im Kreis. Der Teufel selber sitzt als schwarzer, zausiger Kater am Fenster. Dazu ertönt eine grausige Musik, Leichen liegen aufgebahrt herum und halten Lichter in den Händen. Das Skelett eines Mörders, an den Altar gekettet, ein frisch vom Strick geschnittener Dieb und allerlei benutzte und blutige Mordwerkzeuge sind zu sehen.

Tam kann es nicht fassen und schaut sprachlos zu. Da wird die Musik schriller und schneller, der Tanz wird wilder, die Tanzenden reißen sich die Kleider vom Leib, tanzen im Unterhemd weiter und Tam ist begeistert von den heißen Hexenweibern. Die alten und hässlichen, die in der Halle auf ihren Besen herumfliegen ignoriert er natürlich. 

Er hat nämlich, genau wie Satan übrigens,  nur noch Augen für die Junghexe Nannie. Die wurde gerade erst in den Hexenzirkel aufgenommen und gibt zur Feier des Tages alles. 

Nannie ist im ganzen Land berühmt und berüchtigt. Kühe und Pferde soll sie tot schießen, Boote versenken und Bier und Whisky säuft sie wie kaum ein Mann. 

Jetzt trägt sie beim Tanzen nur noch ein Hemdchen, dass sie als Kind schon hatte und das für sie mit der Zeit doch schon arg kurz geworden ist. 

Vergessen sind Eheweib, Wirtin und alles andere. Tam verliert den Verstand applaudiert und brüllt laut "Bravo!"

Schlagartig wird es dunkel. Auch Tam dämmert nun trotz Trunkenheit, dass er da wohl einen kleinen Fehler begangen hat, befürchtet, dass er Kathy nie wiedersehen wird, und tritt eiligst den Rückzug an. 

Aber kaum hat er sich aufs Pferd geschwungen naht auch schon voller Mordlust die Höllenmeute, allen voran die stinkwütende Nannie. 

Tam feuert sein Pferd an und Maggie gibt alles. Wenn er die Brücke über den Doon erreicht, hat er gewonnen. Dort verliert der Spuk seine Macht. 

Kurz vor der Brücke bekommt Nannie Maggies Schweif zu packen. Aber ein letzter Sprung und Maggie ist auf der Brücke. Allerdings ohne Schweif. Den hat Nannie noch in der Hand. 



Tam o'Shanter at the Brig o'Doon. G.Cook, 1881


Und die Moral von der Geschichte? Da zitiere ich mal aus einer der deutschen Übersetzungen: 


"Wer immer die Geschichte liest,

Hab acht, damit du’s nicht vergisst:

Wann immer dich die Drinks verwirrn,

und Nannies sausen durch dein Hirn,

Ist solche Lust des Preises wert ?

Vergiss nie Tam o‘ Shanters Pferd!"



Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: 

Nannie wurde zur Vorlage der Gallionsfigur des Teeklippers Cutty Sark. Der Name des Schiffes bedeutet so viel wie "Süßes..." oder "Kurzes Hemdchen". 
Am Bug ist die Figur der Nannie zu sehen, sehr spärlich mit einem kurzen Hemd bekleidet und mit einen Schweif in der Hand.

Damit verabschiede ich mich mal für heute, wünsche euch noch ein schönes Wochenende und hoffe ihr schaut mal wieder rein! 


Freitag, 20. Juni 2025

Der Hauptmann von Köpenick (11)

 Voigt landet erst einmal wieder hinter Gittern.


"Ich wurde kurze Zeit, etwa zehn Tage, nachdem das Urteil rechtskräftig geworden, zur Verbüßung meiner Strafe in die Gefangenschaft nach Tegel überführt.


Schon am Nachmittag desselben Tages besuchte mich der Direktor, und die ersten Worte, die er an mich richtete, sind mir heute noch gegenwärtig: »Nun sind Sie also nach langer Irrfahrt hier gelandet!«

»Jawohl, Herr Direktor«, antwortete ich, »aber an welchem Ufer!«

Es ist mir sehr erfreulich, hier sagen zu können, dass die Gefängnisanstalt Tegel, sowohl was die Beamtenschaft anlangt wie in Bezug auf Pflege und Fürsorge, geradezu mustergültig genannt zu werden verdient. Gerade ich konnte dies am besten beurteilen."
(1)


Voigt ist nun berühmt und hat viele Fans. 

Eine Frankfurter Zeitung hat für ihn gesammelt und er bekommt nach seiner Haftentlassung 2000.- Mark und eine Dame aus den "allerersten Kreisen" Berlins soll ihn eine Rente von monatlich 100.- Mark zugesichert haben. Behauptet Voigt. Es könnte sich hier um Gertrud Wertheim gehandelt haben, der Frau von Wolf Wertheim, eines Unternehmers und Bruder des Warenhausbesitzer Georg Wertheim. 

Das Gerücht über seinen "Reichtum" macht die Runde und Voigt bekommt Bettelbriefe. Aber auch sonst bekommt er viel Fanpost. 

Nach zwei Jahren Haft wird er begnadigt und auf Befehl des Kaisers sofort entlassen. Völlig überraschend, an einen Sonntag und ohne dass die Öffentlichkeit davon weiß., darf Voigt gehen. Und weil ja Sonntag ist, der Kassenbeamte und andere Beamte nicht im Dienst sind, leiht ihm der stellvertretende Sekretär eine Mark.


"Mit einem gewissen Wohlbehagen durchschritt ich die Straßen des Vorortes und freute mich an den wandernden, fröhlichen Menschen.

Ich wusste, mit welcher Teilnahme mein Ergehen in Tegel und meine Freilassung in der Welt verfolgt wurde.

War es mir doch zu Ohren gekommen, dass viele meiner Freunde sich verabredet hatten, am Tage meiner Freilassung vor den Toren des Hauses auf mich zu warten und mich abzuholen.

Hatten sich doch schon einmal früher, als das Gerücht verbreitet wurde, ich würde freigelassen, Hunderte von Menschen eingefunden, die mich sehen wollten.

Und heute?
Keiner von diesen Menschen dachte daran, dass ich unter ihnen wandelte, und so konnte ich unbelästigt das heitere Leben, das an schönen Sonntagen die Vororte von Berlin durchflutete, genießen.
Diese erste Stunde der Freiheit, die direkt der Gnade entflossen, unerwartet und doch so erwünscht kam, kann ich mit Worten nicht schildern! So etwas muss man erlebt haben!
" (1)


Voigt geht erst einmal zu seiner Schwester, die ist aber nicht zu Hause. Also besucht er zunächst seine ehemalige Verlobte und weitere Bekannte. 

Sein nächster Weg führt ihn dann auch schon zur Redaktion der Zeitung "Die Welt am Montag". 

Voigts weitere Karriere wird hier schon deutlich. Er wird "Influencer", nur halt mit den Mitteln von 1908.


"Aber schon war Frau Fama geschäftig gewesen. Alle Welt wusste von meiner Befreiung. Und bald hatten sich denn auch die Pioniere der modernen Zivilisation, die Amateurphotographen und Photographen vom Fach eingestellt; und während ich den Fuß auf den Tritt der Droschke stellte, waren bereits eine Anzahl von Objektiven auf mich gerichtet, um diesen denkwürdigen Moment zu verewigen.

Schon am frühen Morgen hatte die Post eine große Anzahl Briefe für mich gebracht, und ich wollte die Muße der Fahrt dazu benutzen, um sie auf dem Wege zur Stadt zu lesen.

Als ich aber einen Augenblick hinter mich schaute, sah ich, wie die Photographengesellschaft im Auto hinter mir herfuhr, an jedem Haltepunkt umstellten sie meine Droschke so, dass mein Kutscher nicht losfahren konnte, die Zwischenzeit benutzten sie, um mich in allen möglichen Stellungen aufzunehmen. Ich habe ziemlich drei Stunden gebraucht, bis es mir endlich gelang, ihren Glasaugen zu entkommen."



Friedrich Wilhelm Voigt, 1910.


Voigt veröffentlicht die von mir hier häufig zitierte Autobiografie. Er hält Vorträge, verkauft Postkarten mit seinem Bild und bringt es tatsächlich zu einigen Wohlstand. 
Damit kommt er aber nicht überall gut an. 
Paul Lindau zum Beispiel:

"Leider ist die Freude, die wir alle über die glückliche Wendung im Leben des köstlichen Hauptmanns empfunden haben, nicht ungetrübt geblieben. Wilhelm Voigt, so standhaft und aufrecht im Unglück, in der Ächtung – im Glück ist er getaumelt, die Höhenluft der Anerkennung hat er nicht vertragen können. Schon in den letzten Monaten seiner Gefangenschaft hat er eine Albernheit begangen, die einen fatalen Reklameduft ausströmte. Um die Sympathien für den wieder Verurteilten zu stärken und zu mehren, hatte eines unserer angesehensten Blätter die von Voigt in der Untersuchungshaft verfasste Selbstbiographie veröffentlicht, die der Angeklagte wohl zur Verlesung in der öffentlichen Sitzung bestimmt und der Verteidigung zur Verfügung gestellt hatte. Davon konnte indessen Abstand genommen werden. Die Haltung des Gerichtshofs stellte außer aller Frage, daß Voigt es diesmal mit weisen und gerechten Richtern zu tun hatte. Aber gerade, weil auch diese ihn verurteilen mussten, konnte eine nachträgliche Veröffentlichung des rührenden Elaborats, das die öffentliche Meinung nur noch mehr für den Verurteilten einzunehmen geeignet, von Nutzen sein.

Was tat nun Voigt? Anstatt sich für diesen Beweis freundlichster und wohlwollendster Gesinnung erkenntlich zu zeigen, machte er sich durch die kindische Drohung lächerlich, dass er, sobald er auf freiem Fuße wäre, die Redaktion wegen unbefugten Nachdrucks belangen werde!

Nach wiedererlangter Freiheit aber trieb ihn der in ihm aufgekeimte und nun üppig wuchernde Größenwahn zu einer Geschmacklosigkeit nach der andern. Er wollte sich – so in einer Art von Barnumschem -, oder Hagenbeckscher Raubtierschau – von Leuten, die »um das Rhinozeros zu sehen« keine Ausgaben scheuen, für Geld und gute Worte in Tingeltangels besehen lassen. Hat's vielleicht auch getan. Aber das unwürdige Handwerk ist ihm, wenn ich mich recht erinnere, wohl gelegt worden; oder es hat ihn aufgegeben. Ich weiß nicht genau. Er hat, glaube ich, mit seinen Postkarten gehandelt, gelegentlich durch seinen »Sekretär« die Zeitungen mit Berichtigungen gelangweilt und andere Torheiten der Art begangen. Der Mann hat mich in dieser Phase seiner Entwicklung nicht mehr interessiert. Wäre er doch der herrliche Hauptmann von Köpenick geblieben! 
Nun, solange es Menschen gibt, die für urkräftige Komik Sinn haben, wird er es bleiben. Das unsinnige Nachspiel wird man vergessen und nur eine unbestimmte Erinnerung daran bewahren, dass die zunächst erschütternde menschliche Tragödie nach ihrem komischen Höhepunkt einen zwar matten, aber doch versöhnlichen Schluss gehabt hat." (2)

Da war der Herr Journalist wohl ein wenig verärgert. Dabei hat seine Zeitung doch bloß Voigts Urheberrecht verletzt. Und dann will Voigt auch noch Geld mit seiner Geschichte verdienen? Unerhört!

Das macht er aber auf jeden Fall. Für eine Grammophonaufnahme bekam er 200.- Mark und im Berliner Wachsfigurenkabinett wurde seine Figur ausgestellt. Zumindest auf seinen Postkarten und Fotos trägt er auch wieder Uniform.


Wilhelm Voigt in Uniform. 

Die Originale kann es ja nicht sein, denn die wurde, wie wir uns erinnern ja eingezogen. Die Bilder kann man deshalb auch nicht zur Beurteilung heranziehen, wie glaubhaft Voigt als Hauptmann wirkte. 
Nicht nur dem Herrn Lindau, sondern auch der preußischen Obrigkeit gefällt sein Auftreten nicht unbedingt. Voigt steht ja weiterhin unter Polizeiaufsicht und dass eine oder andere Mal soll er auch verhaftet worden sein. 
Voigt trat deshalb zunehmend im Ausland auf und zog schließlich 1910 nach Luxemburg. 
Voigt war wohlhabend geworden und kaufte ein Automobil und ein Haus. 
Dann brach der 1. Weltkrieg aus und Voigt verarmte wieder. Er starb am 3. Januar 1922 im Alter von 72 Jahren an einer Lungenerkrankung. 

Noch einmal soll er da den Hauptmann gegeben haben. Der Trauerzug soll einen Trupp Soldaten begegnet sein. Der Offizier fragte, wer da beerdigt würde. Ihm wurde auf französisch geantwortet :"Le Capitaine de Coepenick!"
In der Annahme, dass es sich um einen echten Hauptmann handelt, wies der Offizier seinen Trupp an, den Zug mit einer militärischen Ehrenbezeugung passieren zu lassen. 

Und in Köpenick? Da gibt es im Rathaus eine Dauersaustellung zum Hauptmann. 

Ende


(1) Voigt, Wilhelm. Wie Ich Hauptmann von Köpenick wurde. Julius Püttmann, 1909

(2) Paul Lindau, Ausflüge ins Kriminalistische, Albert Langen, 1909

Mittwoch, 18. Juni 2025

Der Hauptmann von Köpenick (10)

Ursprünglich ging es hier ja um den Film von 1931. Also mal zurück zum Thema, bevor ich auf Voigts weiteres Leben eingehe. 

Wie bereits erwähnt habe ich den Film gesehen, bevor ich hier angefangen habe zu schreiben Dann noch einmal. Dann den Film mit Heinz Rühmann. Dann den mit Rudolf Platte und schließlich den mit Harald Juhnke. 

Zwei Hörspiele zum Thema, wobei eines nur Ausschnitte aus dem Film mit Rudolf Platte enthielt, habe ich mir angehört und Zuckmayers Stück als Text habe ich kurz überflogen. 

Und jetzt zähle ich mal auf, welche Szenen mir im Film gefehlt haben:

1.

Vor dem Einbruch in die Polizeistation übernachten Voigt und Kalle in einer Obdachlosenunterkunft, da beide kein Geld haben. Die Essensmarken leihen sie sich. Einer der Obdachlosen, Louis Gebweiler,  möchte, dass das Licht ausgemacht wird. Weil sich aber einige Insassen nicht daran halten und Skat spielen, kommt eine Patrouille zur Kontrolle. Gebweiler wird als Deserteur erkannt und verhaftet. 

Die Szene fehlt auch im Film mit Heinz Rühmann, ist aber im Film mit Rudolf Platte vorhanden. 

2.

Das Ehepaar Hoprecht, also Voigt Schwester und sein Schwager, haben ein schwerkrankes Mädchen namens Lieschen aufgenommen. Wilhelm Voigt verbringt Zeit mit ihr, liest ihr Märchen vor und erzählt ihr Geschichten aus seinen Leben.  Lieschen stirbt schließlich. 

Die Szenen sind im Film mit Heinz Rühmann enthalten. 

3.

Beim Kaisermanöverball trägt Wormsers Tochter Auguste die Uniform, trinkt Sekt und singt ein selbst komponiertes Lied. Sie flirtet mit Rittmeister von Schleinitz. 

Wormsers Sohn kippt Flaschen und Gläser um. Die Uniform wird dabei verschmutzt und soll nun zum Trödler. 

Auch diese Szene ist im Film mit Heinz Rühmann enthalten. 

4.

Mit der Hauptmannsuniform im Gepäck geht Wilhelm Voigt in den Park von Sanssouci und setzt sich auf eine Bank. 
Er beobachtet Offiziere, die sich über das Militärwesens austauschen, sowie Kindermädchen, die sich offensichtlich für die Offiziere interessieren. 
Mit einem Invaliden kommt er ins Gespräch. Als sich zwei Damen nähern, steht Voigt in militärischem Stil auf und macht ihnen Platz.

5.
Im Rühmann-Film wird die Geschichte noch ein wenig fortgesetzt bis zur Haftentlassung. 


Auch wenn ich einige Szenen, die in späteren Filmen zum Teil vorkommen, vermisst habe, hat mir der Film trotzdem gefallen. 
Und Max Adalbert als Hauptdarsteller war einfach großartig. 


Ende Teil 10





Dienstag, 17. Juni 2025

Der Hauptmann von Köpenick (9)

 Im Film stellt Voigt sich selbst. In seinem Buch beschreibt er, dass er verraten wurde und man ihn nie gefunden hätte, wenn es keinen "Judas" gegeben hätte. 


Dann wollen wir doch mal einen kurzen Blich auf die Ermittlungen der Berliner Kriminalpolizei werfen:

Das "Kalle" zur Polizei gerannt und ihn angeschwärzt hätte, stimmt nämlich so nicht. Das behauptete später nur Voigt.

Tatsächlich hatte der Herr Hauptmann Spuren hinterlassen. So konnte man ermitteln, dass er am Bahnhof Köpenick ein Ticket zweiter Klasse zum Schlesischen Bahnhof gekauft hatte. Er stieg aber schon in Rietz aus, vermutlich, weil ihm der Schlesische Bahnhof zu unsicher schien. 

Man fand wie erwähnt seinen Säbel und die weggeworfenen Uniformteile. So fand man auch heraus, wo Voigt die Uniform gekauft hatte. 

Und dann kaufte er auch noch nach der Tat Zivilkleidung und neue Schuhe. Dabei verhält er sich auch noch auffällig, indem er sich im Kleidungsgeschäft, vermutlich aufgrund der groben und schmutzigen Unterwäsche, weigert den Uniformrock zur Anprobe auszuziehen. Statt dessen lässt er nur Maß nehmen und nimmt dann einen Anzug mit, obwohl die Ärmel vermutlich zu lang sind. 

Im Schuhgeschäft ließ er die alten Schuhe zurück, gab an, er sei der Hauptmann von Mahlzahn und sein Bursche würde die alten Schuhe abholen. Und dann will er auch noch mit einen auffälligen großen Geldschein aus der Beute bezahlen. Der ist beschädigt und könnte wiedererkannt werden. Voigt wollte ihn loswerden. Den Schein konnte der Schuhmacher aber nicht wechseln, weshalb er dann doch mit passenden Kleingeld bezahlt. 

Unauffällig verhalten geht anders. 

Da hätte er gleich sagen können: "Prägen sie sich mein Gesicht gut ein! Sie werden von der Polizei noch als Zeuge gebraucht!"

Trotz der hohen Belohnung passierte aber erst einmal nichts weiterführendes. Die Annahme, dass der Hauptmann von Köpenick aus Berliner Verbrecherkreisen stammte, traf nämlich nicht zu. Voigt hielt keinen Kontakt zu Berliner Kriminellen.   

Das große Interesse an dem Fall führte aber zunächst zu vielen falschen Hinweisen. Auch Unschuldige wurden festgenommen und wieder laufen gelassen.

Voigt blieb währenddessen, unter dem Vorwand krank zu sein, zu Hause und ließ sich Essen und Getränke aufs Zimmer bringen. 

Klüger wäre es natürlich gewesen aus Berlin zu verschwinden, aber Voigt unterschätzte die Polizei und fühlte sich sicher. Er glaubte einfach nicht daran, dass man ihn  auf die Schliche kommen würde. 

Betraut mit dem Fall war der Berliner Kriminalkommissar Wehn. Und der hielt an der Überzeugung fest, das der Hauptmann von Köpenick ein routinierter Verbrecher sein müsse. Weil die vielen falschen Hinweise aus Berlin nicht weiterführten schrieb Kommissar Wehn alle Gefängnisse in Deutschland an. 

Aus dem Zuchthus Rawitsch (heute Rawicz, Polen), erhielt er schließlich die Nachricht, dass Voigt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit der Beschreibung hatte, dort eingesessen hätte. 

Auf Nachfragen im Gefängnis meldete sich dann auch Kallenberg, der aussagte, dass Voigt eine Sache mit dem Militär "drehen" wollte.

Wehn folgte nun den Spuren Voigts und traf auf dessen ehemaligen Arbeitgeber in Wismar. Der besaß tatsächlich ein Foto von Voigt. Dieser hatte sich zusammen mit seiner Schwester fotografieren lassen und das Bild seinen ehemaligen Meister in "dankbarer Verehrung" geschickt. 

Wehn  ließ das Bild kopieren und legte es den Zeugen vor. Voigt hatte sich zwar den Vollbart abrasiert, den er auf den Bild noch trug, aber der Verkäufer der Uniform erkannte ihn  sofort wieder. 

Die Polizei, es war nun der 25. Oktober 1906, war sich nun sicher, dass Voigt der Hauptmann von Köpenick war, konnte ihn aber weder bei seiner Schwester, noch bei einer Braut aufgreifen. 

Beide sagten aber aus, dass er in Berlin wohnen würde. Die genaue Adresse würden sie nicht kennen, gaben aber an, dass es sich um ein Haus in der Langen Straße handeln würde, wo Voigt in der 4.Etage wohnen würde.  

Die Polizei fand schnell heraus, dass zwei Schlafburschen bei einer Familie in der vierten Etage des Hauses 22 wohnten. 

Das Haus wurde umstellt. Um eine Flucht über die Dächer zu verhindern wurde auch ein Posten an der Dachluke aufgestellt. 

Dann trat die Polizei in das Zimmer ein. Voigt saß hinter dem Tisch auf einen Sofa und frühstückte. 

Einer der Beamten schob daraufhin sofort den Tisch gegen Voigt, so dass er nicht aufstehen konnte, andere Beamte besetzten das Fenster. 

Er wurde mit Namen angesprochen und ihm vorgehalten, dass er der Hauptmann von Köpenick sei. Voigt wagte nicht mehr zu widersprechen.

Er bat lediglich darum, dass er zu ende frühstücken dürfe. Das wurde ihm gestattet. Währenddessen wurde die Wohnung durchsucht. 

Dabei wurde der irrtümlich gekaufte Kavalleriesäbel, ein Teil der Beute, die sich noch in einen Beutel mit Köpenicker Siegel befand und die neuen Kleidungsstücke gefunden. Den beschädigten 50.- Mark-Schein fand man in seinem Portemonnaie. 

Voigt stellt seine Verhaftung ein wenig anders dar:

"Die Polizeibehörde war, als sie mich in meiner Wohnung aufsuchte, noch keineswegs davon überzeugt, dass ich wirklich der Hauptmann von Köpenick wäre. Ich wurde deshalb in freundlicher Weise gebeten, zwecks einer Unterredung mit nach dem Polizeipräsidium zu fahren. Von einer Verhaftung in meiner Wohnung ist nie die Rede gewesen, sie konnte auch nicht stattfinden, bevor festgestellt war, dass ich wirklich der Täter war.

Der Ruhm, den sich die Polizeibehörde aus meiner Entdeckung holen wollte, gebührt ihr in diesem Falle keineswegs. Auf dem Polizeibüro gestand ich sofort zu, dass ich der Hauptmann wäre.

Der Chef der Kriminalpolizei verhandelte in der freundlichsten Weise mit mir. Nur als die Herren in etwas freier Weise sich über die Köpenicker lustig machen wollten, erklärte ich ihnen mit dürren Worten, dass es den Herren von der Polizei genau ebenso ergangen wäre, wenn es mir gefallen hätte, auf das Berliner Polizeipräsidium zu kommen!" 
 (1)

Auch hier schwindelt unser Hauptmann mal wieder ein wenig.
Voigt ist nun verhaftet und landet in Untersuchungshaft. 

"Ich wurde nun zunächst ins Untersuchungsgefängnis überführt. Die Staatsanwaltschaft glaubte in mir so einen recht schweren Verbrecher zu finden, aber schon nach meiner ersten Vernehmung ließ sie den Glauben fahren und trat weit weniger zuversichtlich in die Ermittlungen ein, weil ein Paragraph im Strafgesetz nicht vorhanden war, nach welchem meine Tat zu bemessen gewesen wäre."

Na ja, da gab und gibt es doch einige.

Das Urteil des Landgerichts Berlin II – "Im Namen des Königs!" – in der Strafsache gegen Voigt vom 1. Dezember 1906 (Az. II 2 f. L. 3 Nr. 58.06) erkannte für Recht:

"Der Angeklagte ist des unbefugten Tragens einer Uniform, des Vergehens wider die öffentliche Ordnung, der Freiheitsberaubung, des Betruges und der schweren Urkundenfälschung, alles verübt im rechtlichen Zusammenhang, schuldig und wird deshalb zu einer Gefängnisstrafe von 4 – vier – Jahren verurteilt. Er trägt die Kosten des Verfahrens. Die von dem Angeklagten bei der Straftat getragenen militärischen Ausrüstungsgegenstände werden eingezogen."

Voigt hatte sich sich in Teilen schuldig bekannt, aber den Betrug und die Urkundenfälschung bestritten. Dabei blieb er auch später noch. 

Nach zwei Jahren Haft wurde er vom Kaiser begnadigt. 



Ende Teil 9


(1) Voigt, Wilhelm. Wie Ich Hauptmann von Köpenick wurde. Julius Püttmann, 1909