Mittwoch, 25. März 2026
Margaret Ann Neve
Donnerstag, 11. Dezember 2025
Das Kaffeeexperiment
Ja ja, ich weiß! Ich bin faul. Mehr als ein Monat ist seit meiner letzten Geschichte vergangen.
Das kam mir aber gar nicht so lange vor. Heute Morgen habe ich dann schuldbewusst über eine neue Story nachgedacht. Und weil ich gerade an meiner zweiten Tasse Kaffee nippte fiel mir das schwedische Kaffeeexperiment ein.
Also gibt es heute eine Anekdote aus dem Leben des schwedischen Königs Gustav III. (*24.01.1746 - gest. 29.03.1792) , der im übrigen keinen Kaffee mochte und ihn für ein tödliches Gift hielt.
Um das zu beweisen begnadigte Gustav zwei Brüder, bei denen es sich um eineiige Zwillinge handelte, und die zum Tode verurteilt waren, zu lebenslangen Freiheitsstrafen.
Die Bedingung: Einer der Brüder musste jeden Tag drei Kannen Kaffee, der andere drei Kannen Tee trinken.
Dabei wurden sie von zwei Ärzten überwacht.
Wie das Experiment ausging?
Zuerst starben die beiden Ärzte.
Dann der König. Er wurde während eines Maskenballs an der Stockholmer Oper am 29. März 1792 erschossen.
Schließlich starb der Teetrinker im Alter von 83 Jahren.
Und der Kaffeetrinker?
Na, wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.
Samstag, 18. Oktober 2025
Mach mir keine Fisimatenten!
"Mach mir ma keine Fismatenten!" Diesen Satz bekam in früheren Jahrzehnten, heute ist er leicht aus der Mode gekommen, so manche pubertierende junge Ruhrpottdame von ihrer Mutter bei Verlassen der Wohnung hinterher gerufen.
Gemeint ist und war damit, dass sie keinen Unsinn machen soll! Ich speziellen Fällen auch, dass sie gefälligst ihre Keuschheit zu bewahren hat.
Was soll das eigentlich sein diese "Fisimatenten"? Der Legende nach soll es aus dem Französischen stammen und eine Verballhornung von "Visitez ma tente!" (Besuchen sie mein Zelt!) sein. Mit diesem Satz sollen Franzosen, die hier gelegentlich ungebeten zu Gast waren, etwa während der napoleonischen Kriege, oder der Besetzung des Ruhrgebietes, versucht haben die Ruhrpottmädels in ihr Nachtlager zu locken.
Mittwoch, 15. Oktober 2025
Wer war Etta Place?
Der heutige Beitrag nimmt Bezug auf meinen Artikel: Das Ende von Butch Cassidy.
Also wer war Etta Place, die sich auch Ethel Place nannte?
Der Forscher Larry Pointer, Autor des 1977 erschienenen Buches „In Search of Butch Cassidy“, schrieb, dass Places Identität und Schicksal „eines der faszinierendsten Rätsel der westlichen Geschichte sind. Hinweise entwickeln sich, nur um sich dann in Unklarheit aufzulösen.“ (1)
Ähnlich wie bei "Butch Cassidy" oder "Sundance Kid" dürfte Etta Place nicht ihr richtiger Name, sondern eher ein Alias gewesen sein.
Wie Etta Place aussah, wissen wir. Sie ist auf mehreren Bildern zu sehen. Unter anderen das bekannteste Bild, das sie gemeinsam mit Sundance Kid zeigt. Es soll 1901 von dem Fotografen De Young kurz nach der Hochzeit mit Harry Longabaugh, alias Sundance Kid aufgenommen worden sein.
Ein weiteres Bild zeigt sie mit Sundance Kid und Butch Cassidy vor ihrer Ranch in Argentinien.
Die Pinkerton Agentur, die im Auftrag der Bahngesellschaften nach der Bande und somit auch nach Etta Place fahndete, beschrieb sie als "klassisch gutaussehend, 27-28 Jahre alt, 163 - 165 cm groß, ca. 50-52 kg schwer, von mittlerer Statur, mit braunem Haar".
Bei dem Namen war sich auch Pinkerton nicht ganz sicher. Auf den Steckbriefen, wurde sie "Etta", "Ethel", "Ethal" oder auch "Eva" genannt.
Im deutschen Wikipedia-Artikel zu Butch Cassidy ist angegeben, dass sie Lehrerin war, 1907 in die USA zurückkehrte und dort an Krebs starb. (2)
Das ist aber mal wieder mehr als fraglich. Tatsächlich gilt Etta Place als vermisst. Wann und woran sie starb ist nicht bekannt.
(1) Pointer, Larry (1977). In Search of Butch Cassidy, University of Oklahoma Press.
(2 ) Als Quelle ist in Wikipedia angegeben: Luis Sepulveda, Daniel Mordzinski: Dernières nouvelles du Sud. Éditions Métailé, Paris 2012, S. 96 ff.
(3) Reeve W. Paul "Just who was the Outlaw Queen Etta Place?" Utah History to Go. History Blazer. Archived from the original on 21 June 2011. Retrieved 17 January 2019.
Freitag, 3. Oktober 2025
Die Zebrakutsche
Mittwoch, 24. September 2025
Butch Cassidys Ende
Meine Bini schaut mal wieder eine grässliche Familien-Western-Serie, ich versuche dabei zu lesen, schaue hin und wieder einmal hoch und mache eine klugscheißerische Bemerkung.
Als einer der Darsteller verkündet, dass er nach Bolivien gehen will, merke ich z.B. an, dass er Butch Cassidy grüßen soll.
OK, der Spruch war jetzt leicht daneben. In der Serie kommt als Bösewicht auch George Armstrong Custer vor. Die Serie muss also vor 1876 spielen. Da war Butch Cassidy gerade mal 10 Jahre alt und an sein angebliches Ende in Bolivien noch nicht zu denken.
Ich habe mich hier ja neulich schon als Wildwest-Fan geoutet und auch schon zugegeben, dass ich sehr gerne Filme schaue.
Die beiden Revolvermänner und Bankräuber Butch Cassidy und Sundance Kid kennen Westernfreunde z.B. aus dem Film "Zwei Banditen".
Falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, dann schaut ihn euch mal an, bevor ich euch hier kräftig spoiler!
Hier erst einmal ein Foto, dass unter dem Namen "The Fort Worth Five" bekannt ist und beide Outlaws mit Mitgliedern ihrer Bande "The Wild Bunch" zeigt.
Sundance Kid ist vorne links und Butch Cassidy vorne rechts zu sehen. In der Mitte sitzt Benjamin Kilpatrick und hinten stehen William Carver und Harvey Logan.
Über das Foto, dass im Studio des Fotografen John Swartz in Fort Worth, Texas, aufgenommen wurde, freute sich auch die Pinkerton Agency, die es für die Fahndung nach der Bande nutzte.
Der "Wilde Westen", den wir heute aus Filmen und Romanen kennen, umfasste zeitlich den Rahmen vom Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges im Jahr 1865, bis zum Ende der Indianerkriege im Jahr 1890, also einem Zeitraum von gerade mal 25 Jahren. Danach war die Pionierzeit beendet. Die Zeit des Wilden Westens ging langsam zu Ende.
Kurz nach Beginn dieses Zeitraums wurde Butch Cassidy am 13. April 1866, als Robert Leroy Parker, in Utah geboren. Wie sich das im Wilden Westen gehört, soll er seine Outlaw-Karriere wohl als Viehdieb begonnen haben.
Etwa 1884 änderte er seinen Namen in Butch Cassidy.
Seinen ersten Raubüberfall beging er 1889 in Telluride, Colorado, wo er mit seiner Bande die San Miguel Valley Bank überfiel.
Harry Alonzo Longabaugh wurde 1867 in Pennsylvania geboren.Samstag, 13. September 2025
Bärentöter, Henrystutzen und Silberbüchse
Seit frühester Kindheit, also sobald ich lesen konnte, war ich ein Fan von Wildwest-Romanen. Von denen hatten wir immer einen kleinen Stapel in Heftform im Haus. Die wurden nach dem Lesen, auch immer gleich stapelweise mit Nachbarn und Arbeitskollegen gegen Nachschub getauscht.
Von meiner Großmutter bekam ich dann zu Weihnachten mein erstes Karl May Buch, Winnetou 1, geschenkt.
Ich war begeistert und bekam daraufhin von Oma jedes Jahr zu Weihnachten ein weiteres Werk von Karl May.
Irgendwann merkte mein Vater mal an, dass Karl May die Länder über die er schrieb nie besucht hätte.
Abgesehen davon, dass diese Behauptung nicht ganz richtig war, verstand ich irgendwie nie, warum das wichtig sein sollte. Walter Ernsting (Clark Darlton) und Karl-Herbert Scheer waren schließlich auch nie im Weltraum und schrieben trotzdem Science-Fiction. (Ich las damals nicht nur Western.).
Später erfuhr ich dann, dass Karl May zu seiner Zeit ein riesiger Hochstapler war.
Während wir heute seine Bücher als Romane ansehen, stellte May sie damals als echte Reiseberichte und sich selbst als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi dar.
Damals wie heute galt: "Zeig uns Pics sonst glauben wir nix!" Er zeigte sich deshalb auch im passenden Outfit. Es gab Postkarten und die passenden Gewehre mussten natürlich auch her.
Als Old Shatterhand brauchte er da den gewaltigen Bärentöter und für die überlegende Feuerkraft den Henrystutzen. Sein Blutsbruder Winnetou hatte nur ein Gewehr, die Silberbüchse. Nach Winnetous traurigen Ableben in Winnetou 3, erbte er dann auch die Büchse und mit ihr auch alle Apachenstämme.
Die Waffen ließ Karl May dann, um sein Cosplay zu vervollständigen, tatsächlich anfertigen.
Über diese Waffen möchte ich heute dann ein wenig erzählen und beginne mit dem Monster, dem Bärentöter.
"Der Bärentöter ist ein doppelt Vorderlader mit 2löthigen Kugeln. Treffsicherheit 1.800 Meter, Gewicht 20 alte Pfund; es gehört also ein sehr kräftiger Mann dazu. Verfertigt von der berühmten Firma M. Flirr. San Francisco. Es ist das einzige Gewehr seiner Art."Stutzen ist die deutsche Bezeichnung für ein kurzes handliches Jagdgewehr, das bevorzugt für die Pirschjagd eingesetzt wird.
Der kurze Lauf hat natürlich bei der Verwendung von großen Patronen ein paar Nachteile, wie z.B. ein großes Mündungsfeuer bei größeren Gewehrkalibern. In Stutzen werden deshalb gewöhnlich kleinere Patronen verwendet.
Unser Old Shatterhand verwendet einen "Stutzen" des Erfinders Henry.
Benjamin Tyler Henry arbeitete bei der NEW HAVEN ARMS Co. von Oliver Winchester. Die Gewehre, konstruiert als Unterhebelrepetierer wurden 1860 als Henry Rifle patentiert. Für das Gewehr wurde eine spezielle Patrone im Kaliber 44 Henry mit Randzündung entwickelt. Von denen passten 15 in das Röhrenmagazin. Mit einer Patrone im Lauf hatte man also 16 Schuss zur Verfügung.
In Serie ging die Waffe dann 1862. Insgesamt wurden 12.800 Stück hergestellt. Der Nachfolger war dann die Winchester 1866.
Also gar nicht mal so selten diese Waffe.
May hatte von der Henry Rifle vermutlich schon mal gehört, aber ansonsten von dieser Waffe keine erkennbare Ahnung. Dafür hatte er Fantasie.
Old Shatterhand bekommt seinen Henrystutzen direkt vom Büchsenmacher Henry. Das Gewehr ist natürlich extrem selten, beinahe ein Einzelstück. Zum Kaliber schweigt er sich aus, dafür gibt er die viel zu hohe Magazinkapazität von 25 Schuss an, was ihm dann eine überlegene Feuerkraft verleiht.
Zur Funktion der Waffe machte er widersprüchliche Angaben und beschrieb einen "Kugelverschluss", was auch immer das sein soll, statt einen Unterhebelrepetierer mit Röhrenmagazin.
Auf dem folgenden Bild, das Karl May im Old Shatterhand Outfit zeigt, verdeckt er vermutlich aus diesem Grund mit der linken Hand den Verschlusskasten. Daraus ergibt sich auch eine sehr merkwürdige Waffenhaltung.
Montag, 4. August 2025
Der große König, Juristen und Roben
In der letzten Woche habe ich mir aufgrund einer Empfehlung den Film "Der große König" angeschaut.
Hier sollte deshalb mal wieder, ähnlich wie beim Hauptmann von Köpenick, der erste Teil eines Mehrteilers stehen.
Es ging um den preußischen König Friedrich II., also um den "Alten Fritz", oder Friedrich den Großen.
Der Film beginnt mit der Schlacht bei Kunersdorf, also mit einer vernichtenden Niederlage der Preußen.
Und kurz darauf schaue ich auch schon nach, wann der Film eigentlich gedreht wurde.
1942, im Auftrag von Goebbels. Also ein so genannter Durchhaltefilm. Ich halte auch durch bis zum Ende. Es ist mir aber wirklich schwer gefallen.
Der König als armer geplagter "Führer". Die Schlacht nur verloren, weil die Soldaten nicht durchgehalten haben. Das Volk nicht standhaft. Die Nebenhandlung, ein tapferer Soldat, der sich ungerecht behandelt fühlt, die treue Ehefrau, die ihn zur Pflichterfüllung ermahnt. Am Ende stirbt er tapfer den Heldentod und die stolze Frau darf das Kind allein groß ziehen, alles wird gut.
So ein....!
Dazu noch ein fetter historischer Fehler. Fritzes Lieblingsneffe, Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen, stirbt im Film als frisch ernannter Leutnant, noch vor der letzten siegreichen Schlacht von Schweidnitz, in Berlin an den Blattern.
Tatsächlich starb Prinz Heinrich der Jüngere erst 1767, als frisch ernannter Generalmajor.
Ein bisschen Geschichtsfälschung, sonst wäre der Führer, äh der König natürlich, am Ende ja nicht so theatralisch einsam gewesen.
Mit dem Film möchte ich mich nicht weiter beschäftigen. Der Mehrteiler fällt deshalb aus!
Stattdessen gibt es noch eine ganz kurze Anekdote.
Friedrich II. war und ist ja bei Juristen nicht besonders gut angesehen.
Deshalb wird ihm auch gerne die "Erfindung" der Juristenrobe angedichtet. Die stammt aber gar nicht von ihm, sondern von seinem Vater, König Friedrich Wilhelm I.
Der mochte Juristen auch nicht besonders und erließ am 15.12.1726 die folgende Kabinettsorder:
Samstag, 26. Juli 2025
Von Elefanten, Schwebebahnen und Eiffeltürmen
Für Morgen ist mal wieder ein Besuch in Wuppertal geplant und ich hoffe, dass ich auch Zeit für eine kleine Fahrt mit der Schwebebahn habe.
Vor Jahren schon mal in einen anderen Blog einen Beitrag zur Schwebebahn geschrieben, den ich nun tatsächlich wiedergefunden habe. Er hat mittlerweile das stolze Alter von 12 Jahren. Wie die Zeit vergeht...
Ich saß damals zuhause, schnupfte Taschentücher voll, las Blogs, kramte in alten Bildern und stieß dabei auf einen Beitrag über Paris.
Zu Paris fiel mir ein, dass ich auch schon mal dort war. Und eine kleine Geschichte zum Eiffelturm kenne ich auch. Und weil sich die Geschichte um Elefanten dreht, passte sie dann auch zur Schwebebahn in Wuppertal.
Und nun zur Geschichte:
Ich war ja, wie erwähnt auch schon mal dort, allerdings ohne Zelt, kann Euch aber versichern, dass so ein Zelt locker darunter passt.
Eine der Attraktionen des Circus Bouglione war ein Elefant dessen Namen ich nicht kenne, von dem ich aber weiß, dass er mit seinen 85 Jahren der älteste Elefant der Welt gewesen sein soll.
Menschen machen ja sehr häufig komische Sachen mit Elefanten. Ich erinnere hier mal an die Elefantenkuh Tuffi, die zu Werbezwecken in die Wuppertaler Schwebebahn gestopft wurde.
Tuffi, beim Zirkus Althoff beschäftigt, wurde das nach der Abfahrt allerdings zu viel, sie rannte durch den Triebwagen durchbrach eine Seitenwand und plumpste in die Wupper.
Es waren zwar dutzende Fotografen anwesend, aus Panik drückte aber niemand auf den Auslöser. Deshalb gibt es vom Tuffi-Sprung nur eine schlechte Fotomontage. Und die Milchwerke Köln-Wuppertal verkauften ihre Produkte fortan unter dem Namen Tuffi.
Auch der Herr Bouglione, um auf den Eiffelturm zurückzukommen, hatte so eine merkwürdige Idee und verfrachtete, schon zwei Jahre vor Tuffi, seinen uralten Elefanten auf die erste Plattform des Turms.
Dabei ging alles glatt, weshalb sich im Gegensatz zu Tuffi auch niemand an den Namen des Elefanten erinnert.
Dafür dürfte er seit Errichtung des Turms der bis heute schwerste Besucher des Eiffelturms gewesen sein.
Den Circus Bouglione in Paris gibt es heute noch und er behauptet der älteste Zirkus der Welt zu sein. . Werbung zahlt sich eben manchmal aus.
Mittwoch, 16. Juli 2025
Die Kommunistenkurve
Ich habe am Montag eine "Dokumentation" gesehen.
Die Sendung lief vor über einem Jahr auf einem Privatsender und wurde anschließend vom Sender auch auf YouTube hochgeladen. Am Montag hat sie es dann aus irgendwelchen Gründen in meine Vorschlagsliste geschafft.
Es ging um "geheime Plätze" in Dortmund. Wenn ich jetzt alle Fehler und falschen Behauptungen durchgehe, die da verbreitet wurden, wird das hier wieder ein Mehrteiler wie beim Hauptmann von Köpenick. Nur länger vermutlich.
Ok, es gab drei "geheime Orte". Die Technik der LED-Bildschirme vom Dortmunder U ist jetzt nicht besonders versteckt und ob ein Sternekoch in einer ehemaligen Fabrikhalle ein überteuertes Menü auftischt ist jetzt auch nicht unbedingt ein Staatsgeheimnis. Eher versteckte Werbung.
Aber den Beitrag mit der Kommunistenkurve fand ich interessant. Versteckt irgendwo in Dortmund, stehen halb von Erde bedeckt Denkmäler aus Sowjetzeiten. Die kennt dann auch niemand bis auf die bekannteste Stadtführerin von Dortmund.
Was für ein....
Na ja, ich hatte davon schon einmal gehört. Die Dortmunder können die Kommunistenkurve auch nicht finden, weil sie gar nicht in Dortmund ist, sondern in der Nachbarstadt Lünen.
Dort stehen die besagten Köpfe im Seepark und sind eigentlich vom Weg aus zu sehen und leicht zu finden.
Also nichts mit großem Geheimnis.
Und weil ich noch nie dort war, bin ich am Dienstag dann einfach mal dort hin gefahren.
Mit Bus, Bahn und Schienenersatzverkehr habe ich es dann tatsächlich geschafft anzukommen, habe noch eine schöne Wanderung in Lünen gemacht und die alten Kommunistenköppe fotografiert.
Dienstag, 15. Juli 2025
Der Untergang von Pompeji
Freitag, 20. Juni 2025
Der Hauptmann von Köpenick (11)
Voigt landet erst einmal wieder hinter Gittern.
"Ich wurde kurze Zeit, etwa zehn Tage, nachdem das Urteil rechtskräftig geworden, zur Verbüßung meiner Strafe in die Gefangenschaft nach Tegel überführt.
Schon am Nachmittag desselben Tages besuchte mich der Direktor, und die ersten Worte, die er an mich richtete, sind mir heute noch gegenwärtig: »Nun sind Sie also nach langer Irrfahrt hier gelandet!«
»Jawohl, Herr Direktor«, antwortete ich, »aber an welchem Ufer!«
Es ist mir sehr erfreulich, hier sagen zu können, dass die Gefängnisanstalt Tegel, sowohl was die Beamtenschaft anlangt wie in Bezug auf Pflege und Fürsorge, geradezu mustergültig genannt zu werden verdient. Gerade ich konnte dies am besten beurteilen." (1)
Voigt ist nun berühmt und hat viele Fans.
Eine Frankfurter Zeitung hat für ihn gesammelt und er bekommt nach seiner Haftentlassung 2000.- Mark und eine Dame aus den "allerersten Kreisen" Berlins soll ihn eine Rente von monatlich 100.- Mark zugesichert haben. Behauptet Voigt. Es könnte sich hier um Gertrud Wertheim gehandelt haben, der Frau von Wolf Wertheim, eines Unternehmers und Bruder des Warenhausbesitzer Georg Wertheim.
Das Gerücht über seinen "Reichtum" macht die Runde und Voigt bekommt Bettelbriefe. Aber auch sonst bekommt er viel Fanpost.
Nach zwei Jahren Haft wird er begnadigt und auf Befehl des Kaisers sofort entlassen. Völlig überraschend, an einen Sonntag und ohne dass die Öffentlichkeit davon weiß., darf Voigt gehen. Und weil ja Sonntag ist, der Kassenbeamte und andere Beamte nicht im Dienst sind, leiht ihm der stellvertretende Sekretär eine Mark.
"Mit einem gewissen Wohlbehagen durchschritt ich die Straßen des Vorortes und freute mich an den wandernden, fröhlichen Menschen.
Ich wusste, mit welcher Teilnahme mein Ergehen in Tegel und meine Freilassung in der Welt verfolgt wurde.War es mir doch zu Ohren gekommen, dass viele meiner Freunde sich verabredet hatten, am Tage meiner Freilassung vor den Toren des Hauses auf mich zu warten und mich abzuholen.
Hatten sich doch schon einmal früher, als das Gerücht verbreitet wurde, ich würde freigelassen, Hunderte von Menschen eingefunden, die mich sehen wollten.
Und heute?
Keiner von diesen Menschen dachte daran, dass ich unter ihnen wandelte, und so konnte ich unbelästigt das heitere Leben, das an schönen Sonntagen die Vororte von Berlin durchflutete, genießen.
Diese erste Stunde der Freiheit, die direkt der Gnade entflossen, unerwartet und doch so erwünscht kam, kann ich mit Worten nicht schildern! So etwas muss man erlebt haben! " (1)
Voigt geht erst einmal zu seiner Schwester, die ist aber nicht zu Hause. Also besucht er zunächst seine ehemalige Verlobte und weitere Bekannte.
Sein nächster Weg führt ihn dann auch schon zur Redaktion der Zeitung "Die Welt am Montag".
Voigts weitere Karriere wird hier schon deutlich. Er wird "Influencer", nur halt mit den Mitteln von 1908.
"Aber schon war Frau Fama geschäftig gewesen. Alle Welt wusste von meiner Befreiung. Und bald hatten sich denn auch die Pioniere der modernen Zivilisation, die Amateurphotographen und Photographen vom Fach eingestellt; und während ich den Fuß auf den Tritt der Droschke stellte, waren bereits eine Anzahl von Objektiven auf mich gerichtet, um diesen denkwürdigen Moment zu verewigen.
Schon am frühen Morgen hatte die Post eine große Anzahl Briefe für mich gebracht, und ich wollte die Muße der Fahrt dazu benutzen, um sie auf dem Wege zur Stadt zu lesen.
Als ich aber einen Augenblick hinter mich schaute, sah ich, wie die Photographengesellschaft im Auto hinter mir herfuhr, an jedem Haltepunkt umstellten sie meine Droschke so, dass mein Kutscher nicht losfahren konnte, die Zwischenzeit benutzten sie, um mich in allen möglichen Stellungen aufzunehmen. Ich habe ziemlich drei Stunden gebraucht, bis es mir endlich gelang, ihren Glasaugen zu entkommen."
Was tat nun Voigt? Anstatt sich für diesen Beweis freundlichster und wohlwollendster Gesinnung erkenntlich zu zeigen, machte er sich durch die kindische Drohung lächerlich, dass er, sobald er auf freiem Fuße wäre, die Redaktion wegen unbefugten Nachdrucks belangen werde!
Nach wiedererlangter Freiheit aber trieb ihn der in ihm aufgekeimte und nun üppig wuchernde Größenwahn zu einer Geschmacklosigkeit nach der andern. Er wollte sich – so in einer Art von Barnumschem -, oder Hagenbeckscher Raubtierschau – von Leuten, die »um das Rhinozeros zu sehen« keine Ausgaben scheuen, für Geld und gute Worte in Tingeltangels besehen lassen. Hat's vielleicht auch getan. Aber das unwürdige Handwerk ist ihm, wenn ich mich recht erinnere, wohl gelegt worden; oder es hat ihn aufgegeben. Ich weiß nicht genau. Er hat, glaube ich, mit seinen Postkarten gehandelt, gelegentlich durch seinen »Sekretär« die Zeitungen mit Berichtigungen gelangweilt und andere Torheiten der Art begangen. Der Mann hat mich in dieser Phase seiner Entwicklung nicht mehr interessiert. Wäre er doch der herrliche Hauptmann von Köpenick geblieben!
Ende
Mittwoch, 18. Juni 2025
Der Hauptmann von Köpenick (10)
Ursprünglich ging es hier ja um den Film von 1931. Also mal zurück zum Thema, bevor ich auf Voigts weiteres Leben eingehe.
Wie bereits erwähnt habe ich den Film gesehen, bevor ich hier angefangen habe zu schreiben Dann noch einmal. Dann den Film mit Heinz Rühmann. Dann den mit Rudolf Platte und schließlich den mit Harald Juhnke.
Zwei Hörspiele zum Thema, wobei eines nur Ausschnitte aus dem Film mit Rudolf Platte enthielt, habe ich mir angehört und Zuckmayers Stück als Text habe ich kurz überflogen.
Und jetzt zähle ich mal auf, welche Szenen mir im Film gefehlt haben:
1.
Vor dem Einbruch in die Polizeistation übernachten Voigt und Kalle in einer Obdachlosenunterkunft, da beide kein Geld haben. Die Essensmarken leihen sie sich. Einer der Obdachlosen, Louis Gebweiler, möchte, dass das Licht ausgemacht wird. Weil sich aber einige Insassen nicht daran halten und Skat spielen, kommt eine Patrouille zur Kontrolle. Gebweiler wird als Deserteur erkannt und verhaftet.
Die Szene fehlt auch im Film mit Heinz Rühmann, ist aber im Film mit Rudolf Platte vorhanden.
2.
Das Ehepaar Hoprecht, also Voigt Schwester und sein Schwager, haben ein schwerkrankes Mädchen namens Lieschen aufgenommen. Wilhelm Voigt verbringt Zeit mit ihr, liest ihr Märchen vor und erzählt ihr Geschichten aus seinen Leben. Lieschen stirbt schließlich.
Die Szenen sind im Film mit Heinz Rühmann enthalten.
3.
Beim Kaisermanöverball trägt Wormsers Tochter Auguste die Uniform, trinkt Sekt und singt ein selbst komponiertes Lied. Sie flirtet mit Rittmeister von Schleinitz.
Wormsers Sohn kippt Flaschen und Gläser um. Die Uniform wird dabei verschmutzt und soll nun zum Trödler.
Auch diese Szene ist im Film mit Heinz Rühmann enthalten.
4.
Mit der Hauptmannsuniform im Gepäck geht Wilhelm Voigt in den Park von Sanssouci und setzt sich auf eine Bank.Dienstag, 17. Juni 2025
Der Hauptmann von Köpenick (9)
Im Film stellt Voigt sich selbst. In seinem Buch beschreibt er, dass er verraten wurde und man ihn nie gefunden hätte, wenn es keinen "Judas" gegeben hätte.
Dann wollen wir doch mal einen kurzen Blich auf die Ermittlungen der Berliner Kriminalpolizei werfen:
Das "Kalle" zur Polizei gerannt und ihn angeschwärzt hätte, stimmt nämlich so nicht. Das behauptete später nur Voigt.
Tatsächlich hatte der Herr Hauptmann Spuren hinterlassen. So konnte man ermitteln, dass er am Bahnhof Köpenick ein Ticket zweiter Klasse zum Schlesischen Bahnhof gekauft hatte. Er stieg aber schon in Rietz aus, vermutlich, weil ihm der Schlesische Bahnhof zu unsicher schien.
Man fand wie erwähnt seinen Säbel und die weggeworfenen Uniformteile. So fand man auch heraus, wo Voigt die Uniform gekauft hatte.
Und dann kaufte er auch noch nach der Tat Zivilkleidung und neue Schuhe. Dabei verhält er sich auch noch auffällig, indem er sich im Kleidungsgeschäft, vermutlich aufgrund der groben und schmutzigen Unterwäsche, weigert den Uniformrock zur Anprobe auszuziehen. Statt dessen lässt er nur Maß nehmen und nimmt dann einen Anzug mit, obwohl die Ärmel vermutlich zu lang sind.
Im Schuhgeschäft ließ er die alten Schuhe zurück, gab an, er sei der Hauptmann von Mahlzahn und sein Bursche würde die alten Schuhe abholen. Und dann will er auch noch mit einen auffälligen großen Geldschein aus der Beute bezahlen. Der ist beschädigt und könnte wiedererkannt werden. Voigt wollte ihn loswerden. Den Schein konnte der Schuhmacher aber nicht wechseln, weshalb er dann doch mit passenden Kleingeld bezahlt.
Unauffällig verhalten geht anders.
Da hätte er gleich sagen können: "Prägen sie sich mein Gesicht gut ein! Sie werden von der Polizei noch als Zeuge gebraucht!"
Trotz der hohen Belohnung passierte aber erst einmal nichts weiterführendes. Die Annahme, dass der Hauptmann von Köpenick aus Berliner Verbrecherkreisen stammte, traf nämlich nicht zu. Voigt hielt keinen Kontakt zu Berliner Kriminellen.
Das große Interesse an dem Fall führte aber zunächst zu vielen falschen Hinweisen. Auch Unschuldige wurden festgenommen und wieder laufen gelassen.
Voigt blieb währenddessen, unter dem Vorwand krank zu sein, zu Hause und ließ sich Essen und Getränke aufs Zimmer bringen.
Klüger wäre es natürlich gewesen aus Berlin zu verschwinden, aber Voigt unterschätzte die Polizei und fühlte sich sicher. Er glaubte einfach nicht daran, dass man ihn auf die Schliche kommen würde.
Betraut mit dem Fall war der Berliner Kriminalkommissar Wehn. Und der hielt an der Überzeugung fest, das der Hauptmann von Köpenick ein routinierter Verbrecher sein müsse. Weil die vielen falschen Hinweise aus Berlin nicht weiterführten schrieb Kommissar Wehn alle Gefängnisse in Deutschland an.
Aus dem Zuchthus Rawitsch (heute Rawicz, Polen), erhielt er schließlich die Nachricht, dass Voigt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit der Beschreibung hatte, dort eingesessen hätte.
Auf Nachfragen im Gefängnis meldete sich dann auch Kallenberg, der aussagte, dass Voigt eine Sache mit dem Militär "drehen" wollte.
Wehn folgte nun den Spuren Voigts und traf auf dessen ehemaligen Arbeitgeber in Wismar. Der besaß tatsächlich ein Foto von Voigt. Dieser hatte sich zusammen mit seiner Schwester fotografieren lassen und das Bild seinen ehemaligen Meister in "dankbarer Verehrung" geschickt.
Wehn ließ das Bild kopieren und legte es den Zeugen vor. Voigt hatte sich zwar den Vollbart abrasiert, den er auf den Bild noch trug, aber der Verkäufer der Uniform erkannte ihn sofort wieder.
Die Polizei, es war nun der 25. Oktober 1906, war sich nun sicher, dass Voigt der Hauptmann von Köpenick war, konnte ihn aber weder bei seiner Schwester, noch bei einer Braut aufgreifen.
Beide sagten aber aus, dass er in Berlin wohnen würde. Die genaue Adresse würden sie nicht kennen, gaben aber an, dass es sich um ein Haus in der Langen Straße handeln würde, wo Voigt in der 4.Etage wohnen würde.
Die Polizei fand schnell heraus, dass zwei Schlafburschen bei einer Familie in der vierten Etage des Hauses 22 wohnten.
Das Haus wurde umstellt. Um eine Flucht über die Dächer zu verhindern wurde auch ein Posten an der Dachluke aufgestellt.
Dann trat die Polizei in das Zimmer ein. Voigt saß hinter dem Tisch auf einen Sofa und frühstückte.
Einer der Beamten schob daraufhin sofort den Tisch gegen Voigt, so dass er nicht aufstehen konnte, andere Beamte besetzten das Fenster.
Er wurde mit Namen angesprochen und ihm vorgehalten, dass er der Hauptmann von Köpenick sei. Voigt wagte nicht mehr zu widersprechen.
Er bat lediglich darum, dass er zu ende frühstücken dürfe. Das wurde ihm gestattet. Währenddessen wurde die Wohnung durchsucht.
Dabei wurde der irrtümlich gekaufte Kavalleriesäbel, ein Teil der Beute, die sich noch in einen Beutel mit Köpenicker Siegel befand und die neuen Kleidungsstücke gefunden. Den beschädigten 50.- Mark-Schein fand man in seinem Portemonnaie.
Voigt stellt seine Verhaftung ein wenig anders dar:
"Die Polizeibehörde war, als sie mich in meiner Wohnung aufsuchte, noch keineswegs davon überzeugt, dass ich wirklich der Hauptmann von Köpenick wäre. Ich wurde deshalb in freundlicher Weise gebeten, zwecks einer Unterredung mit nach dem Polizeipräsidium zu fahren. Von einer Verhaftung in meiner Wohnung ist nie die Rede gewesen, sie konnte auch nicht stattfinden, bevor festgestellt war, dass ich wirklich der Täter war.Der Ruhm, den sich die Polizeibehörde aus meiner Entdeckung holen wollte, gebührt ihr in diesem Falle keineswegs. Auf dem Polizeibüro gestand ich sofort zu, dass ich der Hauptmann wäre.
Der Chef der Kriminalpolizei verhandelte in der freundlichsten Weise mit mir. Nur als die Herren in etwas freier Weise sich über die Köpenicker lustig machen wollten, erklärte ich ihnen mit dürren Worten, dass es den Herren von der Polizei genau ebenso ergangen wäre, wenn es mir gefallen hätte, auf das Berliner Polizeipräsidium zu kommen!" (1)
Das Urteil des Landgerichts Berlin II – "Im Namen des Königs!" – in der Strafsache gegen Voigt vom 1. Dezember 1906 (Az. II 2 f. L. 3 Nr. 58.06) erkannte für Recht:
"Der Angeklagte ist des unbefugten Tragens einer Uniform, des Vergehens wider die öffentliche Ordnung, der Freiheitsberaubung, des Betruges und der schweren Urkundenfälschung, alles verübt im rechtlichen Zusammenhang, schuldig und wird deshalb zu einer Gefängnisstrafe von 4 – vier – Jahren verurteilt. Er trägt die Kosten des Verfahrens. Die von dem Angeklagten bei der Straftat getragenen militärischen Ausrüstungsgegenstände werden eingezogen."
(1) Voigt, Wilhelm. Wie Ich Hauptmann von Köpenick wurde. Julius Püttmann, 1909
Freitag, 13. Juni 2025
Der Hauptmann von Köpenick (8)
Im Film treffen mittlerweile die Wagen mit den Gefangenen vor der Neuen Wache in Berlin ein.
Eine kleine Anmerkung zur Neuen Wache, die sich in der Straße Unter den Linden 4 befindet:
Es handelt sich um ein klassizistisches, von Karl Friedrich Schinkel entworfenes Wachgebäude für das königliche Palais, welches zwischen 1816 und 1818 erbaut wurde. Das Gebäude wurde im 2.Weltkrieg zerstört, aber zwischen 1951 und 1957 wieder aufgebaut. Heute befindet sich in der Neuen Wache die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Der Wachtmeister macht Meldung: "Ich bringe die Gefangenen! Wo ist der Wachhabende?"
Es erscheint ein Leutnant.
Wachtmeister: "Bürgermeister Obermüller, Stadtkämmerer Rosenkrantz auf allerhöchstem Befehl als Gefangene abzuliefern!"
"Na, zeigen se mal her!"
Der Wachtmeister lässt Bürgermeister und Stadtkämmerer im Kommandoton antreten.
Der Leutnant fordert den Wachtmeister auf mal seine Order zu zeigen. Die hat er natürlich nicht.
"Sie müssen doch einen Haftbefehl haben!"
Hat er auch nicht. "Herr Hauptmann haben alles mündlich angeordnet."
Wird sich alles finden.
Voigt hat sich mittlerweile in der Bahnhofstoilette wieder umgezogen und die Gefangenen erfahren, dass sie einen Bubenstreich zum Opfer gefallen sind.
Stadtkämmerer: "Das ist ja empörend! Damit kann man sich doch die ganze Karriere versauen!"
Voigts Soldaten treffen nun auch ein. "Ein Gefreiter, acht Mann aus Köpenick zurück!"
"Scheren sie sich raus!"
Der Oberst entschuldigt sich beim Bürgermeister. Der nickt und meint: "Die Öffentlichkeit wird sich mit dem Fall noch zu beschäftigen haben!"
Oberst: "Das glaube ich auch."
Obermüller geht und die Offiziere beginnen zu lachen. Das Gelächter wird direkt in der nächsten Szene fortgesetzt. Die Gäste eines Cafes amüsieren sich prächtig. Die Zeitung mit dem Artikel über den Hauptmann von Köpenick verkauft sich prächtig. Voigt, der sich dort aufhält, verlässt nervös das Lokal.
An einer Litfaßsäule liest ein Bürger einen Steckbrief vor. Die Umstehenden lachen und Voigt fällt mit ein.
Die Presse, auch die internationale berichtet, der Kaiser lacht und die Polizei ermittelt.
"Schon wieder ein Hauptmann von Köpenick verhaftet!" Der 42. (Da hätten wir wieder die Antwort auf die „endgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest" Aber das ist eine andere Geschichte.)
Voigt geht nun zur Polizei. Sein Angebot: Er liefert den Hauptmann von Köpenick und bekommt dafür einen Pass.
Der Pass wird versprochen, Voigt stellt sich.
Alle, auch der Polizeipräsident sind freundlich. Voigt bekommt einen eingeschenkt und wird betrunken.
"Wie kamen sie denn auf Köpenick?"
"Das war das nächste auf der Bahnstrecke."
Aber wenn er ja gewusst hätte, dass es dort keine Pässe gibt, dann wäre er nach Teltow aufs Kreisamt.
Voigt verteidigt auch den Bürgermeister: "Das wäre ihnen allen ganz genau so passiert. Das liegt in der Natur der Sache."
Voigt soll die Uniform noch mal anziehen: "Ach lassen se mal! Der Mantel genügt! Die Uniform habe ich gar nicht darunter angehabt.".
In den späteren Filmen zieht Voigt übrigens die Uniform an.
Voigt erklärt, warum er nicht mit dem Geld abgehauen ist und schwärmt von der Zeit nach seiner Haftentlassung. Der Film endet hier mit seinem Schlussmonolog.
Der Film ist nun zu Ende und ich bin mir nicht sicher, ob ich vielleicht eine gekürzte Fassung gesehen habe.
Der Film war nämlich nur 81 Minuten lang. Im einen der nächsten Teile werde ich mal aufzählen welche Szenen ich so vermisst habe
Die Offiziere, die sich schließlich in der Neuem Wache mit dem "festgenommenen" Bürgermeister Dr. Langerhans beschäftigten, waren übrigens der Generaladjutant Graf von Moltke und Major Prinz Joachim Albrecht von Preußen, der gleich mit einen Kriminalbeamten erschien.
Aber zuerst mal zurück zum echten Voigt. Der beschreibt den weiteren Verlauf so:
"Ich ging dann zu Fuß zum Bahnhof und fuhr mit dem Zuge nach Berlin.
Als ich nach dem Eintreffen des Bürgermeisters vor der »Neuen Wache« erkannt hatte, dass meine Befehle pünktlich ausgeführt waren, verschaffte ich mir einen Zivilanzug und kleidete mich dann sofort um, so dass ich unbemerkt in der späteren Abendstunde meine Wohnung wieder erreichen konnte." (1)
Ich habe da so meine Zweifel.
Seinen Säbel fand man zumindest in der Bahnhofstoilette der Kleinbahn von Mittenwalde. Einzelne Teile der Uniform wurden auf dem Tempelhofer Feld gefunden.
Keinen Pass erbeutet und sich dann selber gestellt um doch noch einen zu bekommen? Tja, ein deutsches Märchen. Dieser ganze Teil ist von Zuckmayer frei erfunden,
Die Ermittlungen der Polizei sind schließlich erfolgreich. Voigt wird verraten. Ausgerechnet von seinen Kumpel und Zellengenossen "Kalle".
Einen Abschnitt seines Buches nennt Voigt deshalb auch "Der Verräter".
"Ich hatte keine Veranlassung zu glauben, dass meine Entdeckung durch die Ermittlung der Polizei erfolgen würde, denn ich war den Personen, mit denen ich in Berührung gekommen war, persönlich unbekannt. Selbst meine Hausgenossen konnten keine Ahnung davon haben, dass ich in irgendeiner Beziehung zu der Köpenicker Affäre gestanden hätte.
Ich bin wiederholt an den Litfaßsäulen gewesen und habe dem Publikum Proklamationen der Behörde vorgelesen.
Die Behörde würde auch den »Hauptmann von Köpenick« noch heute vergeblich suchen, wenn sich nicht ein Judas gefunden hätte, der den ausgesetzten Lohn von dreitausend Mark sich verdienen wollte." (1)
Und woher Kallenberg das wusste?
Diese hingeworfene Bemerkung hatte sich mein lieber Freund Kallenberg gemerkt. Jetzt war eine derartige Sache wirklich ausgeführt worden, und da entsann er sich sofort unserer damaligen Unterredung.
Er machte von diesem seinem Wissen der Behörde Mitteilung. Da ich stets angemeldet gewohnt habe und auch der Arbeitsplatz, auf dem ich beschäftigt war, den Behörden bekannt war, so war es leicht, meinen Aufenthaltsort festzustellen." (1)
(1) Voigt, Wilhelm. Wie Ich Hauptmann von Köpenick wurde. Julius Püttmann, 1909, S.107 ff..
(2) Klaußmann, Anton Oskar. Der Falsche Hauptmann von Cöpenick. Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst, 1906
Samstag, 7. Juni 2025
Der Hauptmann von Köpenick (7)
Jetzt habe ich den Teil beendet, welcher mir in der Serie bisher am schwersten fiel. Teil 6 umfasste die eigentliche Tat.
Der Film bleibt hier übrigens sehr nah bei den tatsächlichen Begebenheiten.
In diesem Teil stellt Zuckmayer auch, ganz gesellschaftskritisch, den Unterschied zwischen den "Ungedienten" und den "Gedienten" am deutlichsten heraus.
Die "Ungedienten", z.B. Frau Bürgermeister und der Mitarbeiter des Stadtkämmerers verhalten sich durchaus skeptisch gegenüber dem Hauptmann, während die Reserveoffiziere und der Wachtmeister fast ohne Widerspruch Folge leisten.
"Befehl ist Befehl!"
Einmal wird es im Film sogar noch kritisch für Voigt, als Frau Bürgermeister die Soldaten fragt, was das überhaupt für ein Hauptmann sei.
Man könnte jetzt unterstellen, das Voigt gescheitert wäre, wenn der Bürgermeister und der Stadtkämmerer nicht gedient hätten.
Die Moral von der Geschichte nach Zuckmayer: Wer nicht gedient hat ist schlauer!
Zurück zu den Tatsachen:
Voigt schreibt in seinem Buch, dass er im Rathaus zuerst auf einen Ortsgendarmen traf, den er zum Dienst verpflichtete. Dann suchte er den Stadtsekretär auf, der in seinem Büro ruhig auf einen Stuhl saß. Voigt teilte ihm mit, dass er Befehl hätte, ihn nach Berlin zu bringen und stellte zwei Mann als Wache ab.
Im Anschluss suchte er den Bürgermeister auf. Dieser saß hinter seinem Schreibtisch und wirkte überrascht.
"Als er meine Charge jedoch erkannte, sprang er auf. Und wie ich auch ihm mitteilte, dass ich ihn auf allerhöchsten Befehl nach Berlin zur Wache zu bringen hätte, war er, wie begreiflich, zunächst darüber sehr bestürzt.
Er bat mich um Aufklärung und ich bedeutete ihm, dass er ja dort alles erfahren würde. Und als er weiter in mich drang, ihm zu seiner Beruhigung doch zu sagen, was eigentlich gegen ihn vorliege, da habe ich ihm völlig wahrheitsgetreu gesagt: ich wüsste das nicht.
Er versuchte noch alle möglichen Ausreden und Einwendungen; als Antwort stellte ich auch ihm zwei Grenadiere vor und übergab ihn deren Hut." (1)
So ganz widerspruchsfrei ging das also vermutlich nicht von statten.
Voigt fügt weiter an, dass in seiner ostpreußischen Heimat der Rendant den Titel Stadtkämmerer führt und gleichzeitig auch stellvertretender Bürgermeister ist. Er vermutete deshalb, dass das in Köpenick genau so ist.
Das erklärt auch, warum er den Stadtkämmerer und den Stadtsekretär ebenfalls festnahm. Damit hatte er die gesamte Führung der Stadt Köpenick verhaftet. Nach Abtransport der Gefangenen dürfte im Rathaus zunächst eine "Schockstarre" geherrscht haben. Das verschafft Voigt Zeit, zumindest bis zur Ankunft seiner Gefangenen in der Neuen Wache.
Tatsächlich hält sich auch ein stellvertretender Bürgermeister im Rathaus auf, der Voigt später anspricht und nach Aufträgen fragt. Den konnte er jetzt natürlich nicht mehr verhaften ohne sich verdächtig zu machen.
Auf den Weg zur Stadtkasse suchte er dann noch den Polizeiinspektor auf, den er nach seinen Angaben tatsächlich schlafend antraf. Der bekam auch laut Voigt, wie auch im Film dargestellt, einen ordentlichen Anpfiff. Voigt jagt ihn raus um auf der Straße für Ordnung zu sorgen.
"Schleunigst entfernte er sich, wurde aber von dem Posten am Portale nicht durchgelassen und kam ganz verdutzt und verstört zu mir zurück.
Der Posten ließe ihn nicht hinaus, erklärte er mir und bat mich, ihn doch zu beurlauben, da er baden müsse.Da mir dies wirklich dringend nötig erschien, so bekam er seinen Urlaub. Und wie es schien, war es tatsächlich eine große Wäsche, die er veranstaltete, denn ich bekam ihn nicht wieder zu sehen. Nachdem so auch dem Humor sein Recht geworden, trat wieder der ganze Ernst der Situation an mich heran, und ich suchte den stellvertretenden Bürgermeister auf. " (1)
Anmerkungen zur Kasse lasse ich hier erst einmal aus. Dazu möchte ich später noch in meiner Tatbewertung ein paar Zeilen extra schreiben.
Noch eine kleine Anmerkung zu der Szene mit den Stadträten:
Im Film halten sich diese im Rathaus auf und wollen hinaus. In der Realität waren sie draußen und wollten hinein um dort zwei Sitzungen abzuhalten.
Voigt will sie zunächst nicht hineinlassen, lässt sich dann aber doch überreden.
Hier befand sich unser Hauptmann in einer Zwickmühle. Er war mit einer Gruppe Soldaten erschienen, hatte alle Eingänge besetzt, und aus guten Grund durfte niemand hinaus, niemand telefonieren. niemand herein. Ein einziger Anruf in Berlin und er wäre aufgeflogen.
Durch den Aufmarsch der Soldaten erweckte er aber den Anschein als wäre da ein ganz "dickes Ding" passiert.
Und bei "ganz dicken Dingern" dürfen Dritte eben nicht den Einsatzort betreten. Das dürfte 1906 nicht anders gewesen sein als heute.
Denn die Gefahr, dass es zu Störungen des Einsatzes kommt, und wäre es nur durch Personen mit Redebedarf, wäre viel zu groß gewesen.
Genau so kommt es später auch noch, weil sich die Stadträte neugierig zeigen und eben nicht in ihren Sitzungsräumen bleiben.
"Es hatten sich die Stadtverordneten, Stadträte und städtischen Beamten, soweit sie im Rathaus anwesend waren, auf die Gänge hinausgewagt und beobachteten aus den Winkeln heraus die weitere Entwicklung der Affäre mit der gespanntesten Aufmerksamkeit.
Ich musste wiederholt die Herren darum ersuchen, sich in ihre Zimmer und an ihre Arbeit zu begeben." (1)
Voigt hingegen konnte die Stadträte aber nicht wegschicken, weil er damit rechnen musste, dass diese sich bei ihren Parteien beschweren, bzw. in Berlin anrufen. Er hätte also verfrüht auffliegen können.
Zum Thema Telefon behauptet Klaußmann in seinem 1906 erschienenen Buch, dass Voigt auf der Post, im Namen des Kaisers den Befehl gegeben habe, eine Stunde lang den telefonischen und telegrafischen Verkehr mit Köpenick zu unterbinden. (2).
Eine weitere Quelle hierzu konnte ich leider nicht finden.
Während Voigt im Film viel Zeit hat und die Wartezeit auf den Kassenabschluss im Ratskeller beim Mittagessen überbrückt, musste der echte Voigt ordentlich arbeiten. Die Beamten des Rathauses suchten ihn nämlich mit allerlei Verwaltungsangelegenheiten auf. "Die Verwaltung von Köpenick bin ich!" Das kommt davon.
Und was war nun mit dem Pass? Voigt gab schließlich später als Tatmotiv an, dass es ihm nur um einen Pass gegangen sei.
"Kurz hinterher, nachdem ich noch verschiedene städtische Angelegenheiten erledigt hatte, kam ein junger Mann und legte mir seinen Militärpass zur Einsicht vor. Als ich dieses Büchlein in die Hand nahm, erinnerte ich mich plötzlich des Augenblicks, in welchem ich meinen Pass in Tilsit in Empfang genommen hatte. Ich hatte ihn nicht im Polizeisekretariat, sondern im Sekretariat des Landratsamtes empfangen und wusste nun, dass ich vergeblich nach Köpenick gegangen war." (1)Voigt kommt also selber darauf, dass es in Köpenick keine Pässe gibt.
"Vor dem Rathaus winkte ich den Gendarm heran, machte ihn mit meinen Befehlen bekannt und beauftragte ihn nach dem Abmarsch der Mannschaften vorläufig mit der Aufrechterhaltung der Ordnung im Rathause sowie in der Stadt Köpenick.
Ich ging dann zu Fuß zum Bahnhof und fuhr mit dem Zuge nach Berlin." (1)
(1) Voigt, Wilhelm. Wie Ich Hauptmann von Köpenick wurde. Julius Püttmann, 1909, S.107 ff..
(2) Klaußmann, Anton Oskar. Der Falsche Hauptmann von Cöpenick. Verlagshaus für Volksliteratur und Kunst, 1906
Freitag, 30. Mai 2025
Der Hauptmann von Köpenick (6)
Weiter im Film:
Ein Bürger fragt den Polizist im Rathaus nach dem Weg. "Ich hab hier ne Vorladung wegen meiner Kartoffeln!"
Der beschreibt schnell und knapp den Weg. Die Bitte ihm den Weg zu zeigen lehnt der Wachtmeister ab. Er hat gerade Besseres zu tun. Er gönnt sich einen Imbiss und eine Berliner Weisse.
Von draußen ist Voigt und seine Truppe zu hören.
Polizist: "Was ist denn da los?
"Die Wache zieht auf!
"Was heißt hier Wache? In Köpenick gibt es doch keine Wache!"
Voigt betritt das Rathaus und ruft den Polizisten zu sich. Voigt fragt nach den Ausgängen und lässt diese dann besetzen.
Die Eingänge werden geschlossen. Das Rathaus darf niemand ohne seine persönliche Erlaubnis betreten oder verlassen.
Der Bürgermeister von Köpenick diktiert gerade einen Brief, als die Tür geöffnet wird und der Polizist in den Raum tritt.
"Was soll denn das heißen? Wie können sie herein kommen ohne anzuklopfen?"
Voigt tritt ein und salutiert. "Sind sie der Bürgermeister von Köpenick?"
"Allerdings!
Voigt zum Schreiber: "Gehn se mal raus!"
"Ja was soll denn das?"
"Auf allerhöchstem Befehl seiner Majestät, des Kaisers und Königs erkläre ich sie für verhaftet! Habe den Auftrag, sie sofort nach der Neuen Wache in Berlin zu bringen! Machen sie sich fertig!"
"Wieso denn überhaupt? Das muss doch ein Irrtum sein!"
Voigt zeigt auf die Soldaten und brüllt: "Genügt ihnen das nicht?"
Der Bürgermeister protestiert. Voigt mault ihn an: "Haben sie gedient?"
Der Bürgermeister ist Oberleutnant der Reserve. Voigt erklärt: "Befehl ist Befehl! Hinterher können sie sich beschweren!"
Voigt stellt den Bürgermeister unter Bewachung. Den Gefreiten schickt er los, nachsehen, was der Polizeiinspektor macht.
Der Bürgermeister bittet darum, seine Frau benachrichtigen zu dürfen. Voigt schickt daraufhin den Wachtmeister los: "Holn se mal Frau Bürgermeister her! Aber trapp trapp, wir bleiben hier nich lange!"
Der Bürgermeister darf bis zum Abtransport ungehindert mit seiner Frau verkehren. Natürlich nur unter militärischer Bewachung.
Der Gendarm meldet, dass der Polizeiinspektor schläft. Voigt geht ihn wecken und erteilt ihn gleich einen ordentlichen Anpfiff und erteilt ihn dann den Auftrag runter zur Straße zu gehen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
Der kann allerdings zunächst das Rathaus nicht verlassen. "Befehl von Herrn Hauptmann! Hier kann keiner raus! Zurück!"
Voigt sucht nun die Stadtkasse und den Stadtkämmerer Rosenkrantz auf.
Im wahren Leben war der Mann der Rendant der Stadt Köpenick und hieß von Wiltberg.
Dieser soll einen vollständigen Kassenabschluss machen. Rosenkrantz lehnt zunächst ab. Ohne Beschluss der Verwaltung möchte er nicht.
Voigt: "Die Verwaltung der Stadt Köpenick bin ich! Ich muss den Bürgermeister und leider auch sie vorläufig in Haft nehmen!"
Rosenkrantz ist sprachlos.
"Ich gebe ihnen 10 Minuten! Genügt ihnen das?"
"Ich werde mich beeilen Herr Hauptmann."
Zwei Mann lässt Voigt als Wache zurück.
Derweil empören sich die Stadträte: "Juristisch genommen Freiheitsberaubung! Freiheitsberaubung!"
Als Voigt hinzutritt wird aus laut kleinlaut. Einer der Stadträte geht zu ihn und macht einen ordentlichen Bückling:
"Entschuldigen sie Herr Hauptmann, gestatten sie dass ich mich ihnen vorstelle? Stadtrat Komenius. Wir sind hier 17 Stadträte und wir hatten hier eben eine Ausschusssitzung. Nun möchten wir sie dringend bitten, dass wir doch nach Hause zum Essen gehen dürfen!"
"Tut mir leid! Durchlass kann nicht gewährt werden!"
Mittlerweile trifft Frau Bürgermeister bei Herrn Bürgermeister ein: "Gut dass du kommst!"
"Ja was ist denn los? Du kannst doch nicht einfach so da sitzen!"
Doch, er kann. Er muss sogar. Was soll er denn tun? Erst einmal lehnt er jede Verantwortung ab.
"Der Mann tut einfach seine Pflicht! Er hat Befehl und Befehl ist Befehl!"
"Was hat er dir denn für eine Legitimation gezeigt?
Natürlich gar keine. Der Mann ist doch Hauptmann. Frau Bürgermeister sieht aber Klärungsbedarf. Ihr Mann soll sofort telefonieren. Er versucht zumindest den Hörer abzuheben, aber die Wache "kann das nicht leiden." Gewehr und Bajonett werden gesenkt, da hat dann auch das Telefonieren "gar keinen Zweck".
In der Zwischenzeit sitzt Voigt seelenruhig im Ratskeller, nimmt ein Mittagsessen zu sich und beschwert sich beim Kellner über die Semmeln von gestern.
Rosenkrantz zählt derweil die Kasse und wird von einen Mitarbeiter gefragt, wie er die denn einfach aushändigen kann.
"Ach sie! Sie ham ja nicht gedient! Waren ja untauglich!" Bloß keine Gehorsamsverweigerung. Der Ungediente scheint nicht überzeugt: "Auf ihre Verantwortung!"
"Ja natürlich auf meine Verantwortung!".
Tja, Befehl ist Befehl. Ist mit so ungedienten Leuten schon lächerlich.
Frau Bürgermeister trifft nun auf Voigt und gibt sich liebenswürdig: "Ach Herr Hauptmann. Ist denn da gar nichts zu ändern?"
"Leider nein gnädige Frau!" Als Offizier muss Voigt natürlich seine Pflicht tun.
Da war doch noch was? Ach ja, Der Pass!
Wachtmeister: "Herr Hauptmann! Wir haben hier leider keine Passabteilung!"
Die gibt es nur auf dem Landratsamt in Kreisstädten. Also kein Pass für Voigt. Dafür übernimmt er nun die Kasse. Da fehlen doch tatsächlich 33 Pfennig. Voigt vermerkt das auf der Quittung und steckt die Kasse in die Manteltaschen.
Der Wachtmeister hat Befehl den Bürgermeister nach Berlin zu bringen. Er zeigt sich nun gegenüber diesen als respektlos. "Ich habe mit Gefangenen nicht zu reden!"
Bürgermeister: "Unverschämtheit!"
Frau Bürgermeister möchte ihren Mann gerne begleiten. Voigt gestattet das, bittet sie aber den Wagen vor der Neuen Wache in Berlin zu verlassen.
Den Bürgermeister bittet er als Offizier um sein Ehrenwort keinen Fluchtversuch zu machen.
Die 17 Stadträte dürfen nun auch gehen.
Die Szene im Rathaus Köpenick endet hier. Es geht dann erst mit der Ankunft des Bürgermeisters in Berlin weiter.
Ende Teil 6









