Mittwoch, 24. September 2025

Butch Cassidys Ende

 

Meine Bini schaut mal wieder eine grässliche Familien-Western-Serie, ich versuche dabei zu lesen, schaue hin und wieder einmal hoch und mache eine klugscheißerische Bemerkung.

Als einer der Darsteller verkündet, dass er nach Bolivien gehen will, merke ich z.B. an, dass er Butch Cassidy grüßen soll. 

OK, der Spruch war jetzt leicht daneben. In der Serie kommt als Bösewicht auch George Armstrong Custer vor. Die Serie muss also vor 1876 spielen. Da war Butch Cassidy gerade mal 10 Jahre alt und an sein angebliches Ende in Bolivien noch nicht zu denken. 

Ich habe mich hier ja neulich schon als Wildwest-Fan geoutet und auch schon zugegeben, dass ich sehr gerne Filme schaue. 

Die beiden Revolvermänner und Bankräuber Butch Cassidy und Sundance Kid kennen Westernfreunde z.B. aus dem Film "Zwei Banditen". 

Falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, dann schaut ihn euch mal an, bevor ich euch hier kräftig spoiler! 

Hier erst einmal ein Foto, dass unter dem Namen "The Fort Worth Five" bekannt ist und beide Outlaws mit Mitgliedern ihrer Bande "The Wild Bunch" zeigt.

Sundance Kid ist vorne links und Butch Cassidy vorne rechts zu sehen. In der Mitte sitzt Benjamin Kilpatrick und hinten stehen William Carver und Harvey Logan.



Über das Foto, dass im Studio des Fotografen John Swartz in Fort Worth, Texas, aufgenommen wurde, freute sich auch die Pinkerton Agency, die es für die Fahndung nach der Bande nutzte. 

Der "Wilde Westen", den wir heute aus Filmen und Romanen kennen, umfasste zeitlich den Rahmen vom Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges im Jahr 1865, bis zum Ende der Indianerkriege im Jahr 1890, also einem Zeitraum von gerade mal 25 Jahren. Danach war die Pionierzeit beendet. Die Zeit des Wilden Westens ging langsam zu Ende. 

Kurz nach Beginn dieses Zeitraums wurde Butch Cassidy am 13. April 1866, als Robert Leroy Parker, in Utah geboren. Wie sich das im Wilden Westen gehört, soll er seine Outlaw-Karriere wohl als Viehdieb begonnen haben. 

Etwa 1884 änderte er seinen Namen in Butch Cassidy. 

Seinen ersten Raubüberfall beging er 1889 in Telluride, Colorado, wo er mit seiner Bande die San Miguel Valley Bank überfiel. 

Harry Alonzo Longabaugh wurde 1867 in Pennsylvania geboren. 
Er begann seine Karriere ganz standesgemäß mit Pferdediebstahl in Sundance, Wyoming und nannte sich nach diesem Ort "The Sundance Kid". 
1892 raubte er seinen ersten Zug aus. 

Ungefähr ab 1896, wie oben erwähnt lag der "Wilde Westen" in seinen letzten Zügen, führten Butch Cassidy und Sundance Kid die Bande "The Wild Bunch" an. 
Der Druck durch Viehzüchter und Eisenbahnunternehmer nahm aber immer mehr zu und die Bande wurde von den Pinkertons gejagt. 
1901 wurde es für die beiden langsam eng und sie setzten sich gemeinsam mit Sundance Freundin, Etta Place, nach Buenos Aires ab. 
Die drei kauften Land in Patagonien und verhielten sich zunächst still. 
Trotz 50.000 Dollar Kopfgeld das auf Cassidy ausgesetzt war, verlief die Suche der Pinkerton Agency erfolglos, was aber zum großen Teil auch an den eher lustlosen Detektiven lag, welche die Suche einfach abbrachen, oder sich gleich Cassidys neuer Bande anschlossen. 
Die begann damit Banken in Südamerika zu überfallen. 1907 stellte die Bande ihre Überfälle ein. Etta Place soll zurück in die Vereinigten Staaten gegangen sein. Einer meiner nächsten Beiträge wird übrigens den Titel "Wer war Etta Place?" tragen. 
Cassidy und Sundance verkauften die Farm und gingen nach Feuerland. Dort begannen sie wieder mit Raubüberfällen. 

Und hier komm ich nun endlich zum Thema und zur Schlussszene des Films "Butch Cassidy and the Sundance Kid", der in Deutschland unter dem Titel "Zwei Banditen" lief. 

Die beiden Banditen, dargestellt von Robert Redford und Paul Newman sitzen in der Bank fest, die von der Polizei umstellt wurde. Beide wissen nicht, dass diese mittlerweile auch die bolivianische Armee dazu geholt hat.. 
In der letzten Einstellung springen beide todesmutig mit gezogenen Waffen aus der Bank. Der Film endet hier. Dass sie erschossen werden wird nicht gezeigt. 

Der Ort war San Vicente, ein kleines Dorf in Bolivien. Eine Gedenktafel erinnert an die beiden Banditen, die dort auf dem Friedhof begraben wurden. 

Wurden sie tatsächlich? 
Butch Cassidys Schwester Lula Parker Betenson behauptete später, Butch sei zurückgekehrt. Gerüchte besagten er hätte unter falschen Namen bis 1937 in den USA gelebt. Auch Sundance Kid soll später Etta geheiratet und noch bis 1936 unter falschen Namen in den USA gelebt haben. 

Soll man das glauben?
1992 wurde das Grab mit den Gebeinen der "US-Desperados" exhumiert. Ein durchgeführter DNA-Test ergab, dass es sich bei den Überresten um die eines deutschen Ingenieurs und nicht um die von Butch Cassidy oder Sundance Kid handelt. 

Das die beiden in San Vicente ums Leben kamen ist deshalb zumindest fragwürdig. Auch das es sich bei den dort angeblich aufgetreten  "US-Desperados" überhaupt um Cassidy und Sundance gehandelt hat, ist unbelegt. 

Was tatsächlich aus den "Zwei Banditen" geworden ist, werden wir wohl so schnell nicht herausfinden. 

Samstag, 20. September 2025

Pater und Nonne

 






Auf den Bildern oben sind Pater und Nonne, zwei etwa 60 m hohe Felsen aus Massenkalk in Iserlohn-Oestrich, zu sehen.
In den Felsen liegt der Eingang der Grürmannshöhle, die allerdings nach wenigen Metern durch eine Betonwand verschlossen wurde.
Früher bin ich in den Felsen mal herumgeklettert und habe nach Mineralien und Fossilien gesucht.
Das ist heute leider nicht mehr möglich. Das Gelände steht seit 1997 unter Naturschutz.

Zu solch markanten Felsen gibt es natürlich auch eine Sage. 

Vor langer Zeit soll in einem nahegelegenen Kloster ein streitsüchtiger Mönch gelebt haben, der von der strengen Zucht im Kloster nichts wissen wollte.
Er lachte über die Drohungen seiner Mitbrüder, brach aus seiner Zelle aus und baute sich ein Schloss auf dem Burgberg, wo er mit seinen Gesellen in Saus und Braus lebte. So ganz ohne Frau ist das natürlich auch blöd, weshalb er um eine Nonne warb, die nicht ganz freiwillig in ihrem Kloster war. Nach der erfolgreichen Befreiung folgte sie ihm auch willig auf die Burg.
Beide lebten fortan zusammen, legten aber ihre langen weißen Klostergewänder nicht ab.
Viele Jahre später kam ein Bischof vorbei, den sie den Weg verlegten, ihn ausraubten und schikanierten.
Den empörten Bischof, der ihnen lautstark ihr heidnisches Gebaren vorwarf, warfen sie schließlich in die Lenne.
Da bebte die Erde und dass Schloss versank mit allem was darin war im Boden. Die beiden Übeltäter aber wurden vom Blitz getroffen, verwandelten sich in Felsen und müssen zur Mahnung dort bis zum jüngsten Tag stehen.


Und der Bischof? Was mit ihm geschah ist nicht überliefert. Aber ich kann noch anmerken, dass die Lenne dort nicht sehr tief ist. 

Samstag, 13. September 2025

Bärentöter, Henrystutzen und Silberbüchse


Seit frühester Kindheit, also sobald ich lesen konnte, war ich ein Fan von Wildwest-Romanen. Von denen hatten wir immer einen kleinen Stapel in Heftform im Haus. Die wurden nach dem Lesen, auch immer gleich stapelweise mit Nachbarn und Arbeitskollegen gegen Nachschub getauscht. 

Von meiner Großmutter bekam ich dann zu Weihnachten mein erstes Karl May Buch, Winnetou 1, geschenkt. 

Ich war begeistert und bekam daraufhin von Oma jedes Jahr zu Weihnachten ein weiteres Werk von Karl May.

Irgendwann merkte mein Vater mal an, dass Karl May die Länder über die er schrieb nie besucht hätte. 

Abgesehen davon, dass diese Behauptung nicht ganz richtig war, verstand ich irgendwie nie, warum das wichtig sein sollte.  Walter Ernsting (Clark Darlton) und  Karl-Herbert Scheer waren schließlich auch nie im Weltraum und schrieben trotzdem Science-Fiction. (Ich las damals nicht nur Western.). 

Später erfuhr ich dann, dass Karl May zu seiner Zeit ein riesiger Hochstapler war. 

Während wir heute seine Bücher als Romane ansehen, stellte May sie damals als echte Reiseberichte und sich selbst als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi dar. 

Damals wie heute galt: "Zeig uns Pics sonst glauben wir nix!"  Er zeigte sich deshalb auch im passenden Outfit. Es gab Postkarten und die passenden Gewehre mussten natürlich auch her. 

Als Old Shatterhand brauchte er da den gewaltigen Bärentöter und für die überlegende Feuerkraft den Henrystutzen. Sein Blutsbruder Winnetou hatte nur ein Gewehr, die Silberbüchse. Nach Winnetous traurigen Ableben in Winnetou 3, erbte er dann auch die Büchse und mit ihr auch alle Apachenstämme. 

Die Waffen ließ Karl May dann, um sein Cosplay zu vervollständigen, tatsächlich anfertigen. 



Karl May als Old Shatterhand mit Silberbüchse


Über diese Waffen möchte ich heute dann ein wenig erzählen und beginne mit dem Monster, dem Bärentöter. 

"Der Bärentöter ist ein doppelt Vorderlader mit 2löthigen Kugeln. Treffsicherheit 1.800 Meter, Gewicht 20 alte Pfund; es gehört also ein sehr kräftiger Mann dazu. Verfertigt von der berühmten Firma M. Flirr. San Francisco. Es ist das einzige Gewehr seiner Art." 

Das schrieb May 1894 an seinen begeisterten Fan Carl Jung. Berühmt war die Firma Flirr eher nicht. Es gab sie vermutlich gar nicht. Und eine Treffsicherheit auf 1800 Meter? Mit einem Vorderlader? Niemals! Selbst mit modernen Patronen, etwa einer 300 Winchester Magnum kann man heute nur 1.000 bis 1.100 Meter weit effektiv schießen. 

May ließ sich aber einen Bärentöter bauen. Nicht in San Franzisko, sondern in Dresden. Der Büchsenmacher Oskar Max Fuchs bekam den Auftrag den Bärentöter und die Silberbüchse herzustellen. Die Gewehre wurden  1896 gebaut und das Ganze musste natürlich geheim bleiben. Fuchs hielt sich auch tatsächlich daran. Erst 1937 gab er bekannt, dass er die beiden Waffen für May gebaut und 1902 den Kauf des "Henrystutzen" vermittelt hatte.  
Der Bärentöter hat einen Doppellauf und ein Kaliber von 22,2 mm. Ausgegeben wurde er als englische Jagdbüchse zur Elefantenjagd. Die Läufe erwarb Fuchs bei der Artilleriewerkstatt in Dresden.  Es handelte sich dabei um die Läufe von ehemaligen Wallbüchsen. Derartige Waffen sind schwer, haben einen heftigen Rückstoß und können deshalb gewöhnlich nur aufgelegt geschossen werden. 
Fuchs schlug dazu die fiktive Herstellermarke  "Burton 1855 Kent" in den Lauf ein. Dazu wurde noch ein Schaft angeschraubt. Das Gewehr, es befindet sich heute, mit den beiden anderen Waffen, im Karl-May-Museum in Radebeul, wiegt stolze 10,4 kg. 
Will man damit tatsächlich einen Bären töten, muss man ihn allerdings mit der Waffe erschlagen. Schießen konnte man damit nie. 
 



Karl May als Old Shatterhand mit Bärentöter.


Die Silberbüchse war das Gewehr von Winnetou. Die ebenfalls von Oskar Max Fuchs gefertigte Waffe ist ein gewöhnlicher zweiläufiger Vorderlader. Ein Ladestock fehlt. Die Holzteile des Gewehres sind mit silberfarbenen Nägeln beschlagen. 
Auf dem Schaft befindet sich auf der linken Seite ein "W", das für Winnetou stehen soll. Auf der rechten Seite befinden sich die Buchstaben "NS". May gab dazu an, dass diese für "Nonton Shis inte" stehen, was "Häuptling der Apachen" heißen soll. 
Die Silberbüchse ist deutlich leichter als der Bärentöter, sie wiegt nur 6 kg. Schießen kann man mit ihr aber ebenfalls nicht. Fuchs bohrte keine Zündkanäle. 


Kommen wir nun zum Henrystutzen.

Stutzen ist die deutsche Bezeichnung für ein kurzes handliches Jagdgewehr, das bevorzugt für die Pirschjagd eingesetzt wird. 

Der kurze Lauf hat natürlich bei der Verwendung von großen Patronen ein paar Nachteile, wie z.B. ein großes Mündungsfeuer bei größeren Gewehrkalibern. In Stutzen werden deshalb gewöhnlich kleinere Patronen verwendet. 

Unser Old Shatterhand verwendet einen "Stutzen" des Erfinders Henry. 

Benjamin Tyler Henry arbeitete bei der NEW HAVEN ARMS Co. von Oliver Winchester. Die Gewehre, konstruiert als Unterhebelrepetierer wurden 1860 als Henry Rifle patentiert. Für das Gewehr wurde eine spezielle Patrone im Kaliber 44 Henry mit Randzündung entwickelt. Von denen passten 15 in das Röhrenmagazin. Mit einer Patrone im Lauf hatte man also 16 Schuss zur Verfügung. 

In Serie ging die Waffe dann 1862. Insgesamt wurden 12.800 Stück hergestellt. Der Nachfolger war dann die Winchester 1866. 

Also gar nicht mal so selten diese Waffe. 

May hatte von der Henry Rifle vermutlich schon mal gehört, aber ansonsten von dieser Waffe keine erkennbare Ahnung. Dafür hatte er Fantasie. 

Old Shatterhand bekommt seinen Henrystutzen direkt vom Büchsenmacher Henry. Das Gewehr ist natürlich extrem selten, beinahe ein Einzelstück. Zum Kaliber schweigt er sich aus, dafür gibt er die viel zu hohe Magazinkapazität von  25 Schuss an, was ihm dann eine überlegene Feuerkraft verleiht. 

Zur Funktion der Waffe machte er widersprüchliche Angaben und beschrieb einen "Kugelverschluss", was auch immer das sein soll, statt einen Unterhebelrepetierer mit Röhrenmagazin. 

Auf dem folgenden Bild, das Karl May im Old Shatterhand Outfit zeigt, verdeckt er vermutlich aus diesem Grund mit der linken Hand den Verschlusskasten. Daraus ergibt sich auch eine sehr merkwürdige Waffenhaltung. 




Zuhalten des Verschlusses nutzt aber nur bei Laien etwas. Leute, die sich mit Waffen auskennen, bemerken, dass das Gewehr auf dem Bild, weder über ein Röhrenmagazin, noch über ein Stangen- oder Trommelmagazin verfügt, welche 25 Patronen fassen könnten. 
Ernst Weber berichtete später, dass Karl May während seiner Vortragsreise 1897 darauf angesprochen wurde:

"Gestatten Sie eine Frage, Herr Doktor", bemerkte ein Herr aus unserer Gesellschaft, als Karl May auf seinen Stutzen zu sprechen kam, "Sie erzählen da, dass Sie fünfundzwanzigmal schießen, ohne zu laden. Das ist nur bei einem Magazingewehr möglich. Ihr Henrystutzen ist keines, wie die Photographie zeigt. Ihre Behauptung scheint mir darum unmöglich".

May, welcher eine Zeitlang einen falschen Doktortitel führte, entgegnete:

"Das verstehen Sie nicht, mein Herr!"

Der Mann war jedoch vom Fach, genauer Offizier und Beamter der Artillerie-Werkstätte, beschäftigte sich also beruflich mit Waffen aller Art. 

Old Shatterhand dazu:

"Mag sein! Sie können in Ihrem Beruf ja ganz tüchtig sein; meinen Henrystutzen begreifen Sie darum doch nicht. Das ganze Geheimnis liegt zwischen Lauf und Laufmantel. Vielleicht erfahren Sie einmal später davon. Ich habe nur noch zwei große Lebenszwecke zu erfüllen: eine Mission bei den Apatschen, deren Häuptling ich bin, und eine Reise zu meinem Halef, dem obersten Scheik der Haddedihn-Araber. Dann aber werde ich vor den deutschen Kaiser treten: 'Majestät, wir wollen einmal miteinander schießen.' Ich werde ihm meinen Henrystutzen vorführen. Derselbe wird in der gesamten deutschen Armee eingeführt werden, und kein Volk der Erde wird dann je den Deutschen widerstehen können".(1)

Mit der Veröffentlichung dieses Gespräches war May nicht so glücklich und griff Weber in einen offenen Brief an den Dresdner Anzeiger deshalb kräftig an. Zum Henrystutzen schrieb er:

"Jeder Sachverständige weiß, dass ein so vielschüssiges Gewehr kein Magazingewehr, sondern nur ein Paternosterlader sein kann. Der angebliche Offizier war also in Wirklichkeit kein Offizier, sonst müsste er noch heute über die ihm gewordene Abfuhr erröten, sondern höchstens ein Berichterstatter mit einem Honorar von 10 Pfennigen die Zeile."

Was ein Paternosterlader sein soll, wusste wohl nur May. Und wo die Munition für den ladenden Paternoster herkommen soll, wenn nicht aus einen Magazin, wohl auch. 

Das Gewehr, das May später als Henrystutzen vorzeigte, kaufte er wie bereits erwähnt erst 1902. 
Es handelte sich um eine handelsübliche Winchester 1866.


Jetzt komme ich mal langsam zum Schluss. Eingangs hatte ich ja erwähnt, dass die Behauptung meines Vaters, dass Karl May die Länder über die er schrieb nie besucht hätte, nicht ganz richtig sei. 
Tatsächlich reiste Mai 1899 in den Orient. 
Seine Traumwelt hielt der Realität aber wohl nicht stand. Er soll zweimal einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. 
1908 unternahm er eine mehrwöchige Amerikareise, die als Inspiration für sein Buch Winnetou IV (Winnetous Erben) diente. 

Jetzt mach ich Schluss, hoffe dass ich nicht zu waffentechnisch geworden bin....meine Frau sagt mir gerade doch, hoffe ihr hattet trotzdem euren Spaß und wünsche euch noch ein schönes Wochenende! 




1. Ernst Weber: Karl May. Eine kritische Plauderei. In: Zur Jugendschriftenfrage, Leipzig 1903

Donnerstag, 28. August 2025

Barry Larry Terry und der Waschbär

 


Das City of Moulton Police Department fahndet nach Barry Larry Terry, dem der illegale Besitz eines wilden Waschbären und das Radfahren ohne Licht vorgeworfen wird. 

Kurz frage ich mich, wie die den Schurken jemals anklagen wollen, wenn die Generalstaatsanwaltschaft der USA es noch nicht einmal schafft einen Bürger vor eine Grand Jury zu zerren, der einen Bundesbeamten mit Butterbroten bewirft. 

Aber das ist eine andere Geschichte. 

Das City of Moulton Police Department liegt in Alabama, was die Geschichte schon fast glaubwürdig macht. Na ja, sie stimmt trotzdem nicht so richtig. 

Barry Larry Terry ist nach meinen kurzen Recherchen nämlich ein Scherz des Officers Russel Graham. 

Das Bild von Barry ist ein Fake, oder wie wie bei der Polizei in Deutschland sagten würden, eine virtuelle Person. Derartige Bilder werden z.B. bei Lichtbildvorlagen, der modernen Version der Gegenüberstellung,  benutzt. Die Bilder sehen häufig sehr, sagen wir mal witzig, aus. 

So auch das Bild  von "Barry".

Officer Graham hat sich deshalb einen Scherz erlaubt, das Bild zusammen mit echten Fahndungsbildern auf der Facebook-Seite des Departments gepostet und war ganz erstaunt, dass es in kürzester Zeit 6000 Mal geteilt wurde.

Mittlerweile wird auch schon auf anderen Plattformen, z.B. Tumblr,  nach dem angeblichen Waschbärenbesitzer gefahndet. 

Ich wette jetzt mal, dass Barry zu einer urbanen Legende werden wird. Und deshalb hat er jetzt auch hier seinen Platz gefunden. 

Donnerstag, 14. August 2025

Die verzauberte Zwiebel

Ich habe euch ja vor einiger Zeit bereits von der Speichenhexe, welche in Breckerfeld ihr Unwesen trieb erzählt. 

Die ungute Frau hatte es ja auf Fuhrleute abgesehen. Wer nun glaubt, dass man als Fußgänger nicht nur etwas für die Umwelt tut, sondern auch vor besagter Hexe sicher ist, dem kann ich die folgende Geschichte erzählen:

In Breckerfeld gibt es den Epscheider Bach, an dem die Epscheider Mühle liegt. Dort führt über den besagten Bach eine Brücke. 

Der Held unserer Geschichte, ein Schmied, hatte den Abend im Wirtshaus verbracht, den einen oder anderen Krug geleert und sich nun, so gegen Mitternacht auf dem Weg nach Hause gemacht. 

Dabei überquerte er auch, leicht torkelnd, die Brücke, wo er von einer alten Frau angesprochen wurde:

"Du isst doch bestimmt gerne Zwiebeln. Schau mal, was ich hier für schöne große Zwiebeln habe. Möchtest du eine haben?"

Dabei hielt sie ihm ein wirkliches Prachtexemplar von einer Zwiebel hin. Nun sollten einem Frauen, die um Mitternacht in abgelegenen Gegenden Zwiebeln verschenken, suspekt vorkommen, unser Schmied kam aber wie bereits erwähnt, wie man hier sagt "angeschickert" aus der Dorfkneipe. 

Dem schönen Gemüse konnte er deshalb nicht widerstehen und nahm es dankend entgegen. 

Sobald er zu Hause war, wollte er sich noch einen kleinen Mitternachtsimbiss gönnen, griff  sich ein Messer und schnitt die Zwiebel in der Mitte durch. 

Da entsprang den beiden Hälften eine Unzahl von Fröschen und Kröten. Der Schmied erschrak fast zu Tode, fluchte laut und warf die beiden Hälften weit fort in den Bach. 

Wütend fluchte und schimpfte er auf die Hexe, die er in der Ferne schallend lachen hörte. 


Ob das wohl unsere bereits bekannte Speichenhexe war?  

Montag, 4. August 2025

Der große König, Juristen und Roben

In der letzten Woche habe ich mir aufgrund einer Empfehlung den Film "Der große König" angeschaut. 

Hier sollte deshalb mal wieder, ähnlich wie beim Hauptmann von Köpenick, der erste Teil eines Mehrteilers stehen. 

Es ging um den preußischen König Friedrich II., also um den "Alten Fritz", oder Friedrich den Großen. 

Der Film beginnt mit der Schlacht bei Kunersdorf, also mit einer vernichtenden Niederlage der Preußen.

Und kurz darauf schaue ich auch schon nach, wann der Film eigentlich gedreht wurde. 

1942, im Auftrag von Goebbels. Also ein so genannter Durchhaltefilm. Ich halte auch durch bis zum Ende. Es ist mir aber wirklich schwer gefallen.

Der König als armer geplagter "Führer". Die Schlacht nur verloren, weil die Soldaten nicht durchgehalten haben. Das Volk nicht standhaft. Die Nebenhandlung, ein tapferer Soldat, der sich ungerecht behandelt fühlt, die treue Ehefrau, die ihn zur Pflichterfüllung ermahnt. Am Ende stirbt er tapfer den Heldentod und die stolze Frau darf das Kind allein groß ziehen, alles wird gut. 

So ein....! 

Dazu noch ein fetter historischer Fehler. Fritzes Lieblingsneffe, Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen, stirbt im Film als frisch ernannter Leutnant, noch vor der letzten siegreichen Schlacht von Schweidnitz, in Berlin an den Blattern. 

Tatsächlich starb Prinz Heinrich der Jüngere erst 1767, als frisch ernannter Generalmajor.

Ein bisschen Geschichtsfälschung, sonst wäre der Führer, äh der König natürlich, am Ende ja nicht so theatralisch einsam gewesen.

Mit dem Film möchte ich mich nicht weiter beschäftigen. Der Mehrteiler fällt deshalb aus! 

Stattdessen gibt es noch eine ganz kurze Anekdote. 

Friedrich II. war und ist ja bei Juristen nicht besonders gut angesehen.

Deshalb wird ihm auch gerne die "Erfindung" der Juristenrobe angedichtet. Die stammt aber gar nicht von ihm, sondern von seinem Vater, König Friedrich Wilhelm I. 

Der mochte Juristen auch nicht besonders und erließ am 15.12.1726 die folgende Kabinettsorder: 


“Wir ordnen und befehlen hiermit allen Ernstes, daß die Advocati wollene schwarze Mäntel, welche bis unter das Knie gehen, unserer Verordnung gemäß zu tragen haben, damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennt.”


Also nicht das 300 jährige Jubiläum im nächsten Jahr verpassen! 
Auf den o.g. Film könnt ihr dagegen ruhig verzichten. 

Samstag, 26. Juli 2025

Von Elefanten, Schwebebahnen und Eiffeltürmen

Für Morgen ist mal wieder ein Besuch in Wuppertal geplant und ich hoffe, dass ich auch Zeit für eine kleine Fahrt mit der Schwebebahn habe. 

Vor Jahren schon mal in einen anderen Blog einen Beitrag zur Schwebebahn geschrieben, den ich nun tatsächlich wiedergefunden habe. Er hat mittlerweile das stolze Alter von 12 Jahren. Wie die Zeit vergeht...

Ich saß damals zuhause, schnupfte Taschentücher voll, las Blogs, kramte in alten Bildern und stieß dabei auf einen Beitrag über Paris. 

Zu Paris fiel mir ein, dass ich auch schon mal dort war. Und eine kleine Geschichte zum Eiffelturm kenne ich auch. Und weil sich die Geschichte um Elefanten dreht, passte sie dann auch zur Schwebebahn in Wuppertal.



Der Eiffelturm, nicht 1948, sondern 1983. Von mir geknipst, aber ohne Elefant und ohne Zirkus



Und nun zur Geschichte:

1948 hatte der Circus Bouglione sein Zelt direkt unter dem Eiffelturm aufgebaut.
Ich war ja, wie erwähnt auch schon mal dort, allerdings ohne Zelt, kann Euch aber versichern, dass so ein Zelt locker darunter passt.
Eine der Attraktionen des Circus Bouglione war ein Elefant dessen Namen ich nicht kenne, von dem ich aber weiß, dass er mit seinen 85 Jahren der älteste Elefant der Welt gewesen sein soll.
Menschen machen ja sehr häufig komische Sachen mit Elefanten. Ich erinnere hier mal an die Elefantenkuh Tuffi, die zu Werbezwecken in die Wuppertaler Schwebebahn gestopft wurde.
Tuffi, beim Zirkus Althoff beschäftigt, wurde das nach der Abfahrt allerdings zu viel, sie rannte durch den Triebwagen durchbrach eine Seitenwand und plumpste in die Wupper.
Es waren zwar dutzende Fotografen anwesend, aus Panik drückte aber niemand auf den Auslöser. Deshalb gibt es vom Tuffi-Sprung nur eine schlechte Fotomontage. Und die Milchwerke Köln-Wuppertal verkauften ihre Produkte fortan unter dem Namen Tuffi.
Auch der Herr Bouglione, um auf den Eiffelturm zurückzukommen, hatte so eine merkwürdige Idee und verfrachtete, schon zwei Jahre vor Tuffi, seinen uralten Elefanten auf die erste Plattform des Turms.
Dabei ging alles glatt, weshalb sich im Gegensatz zu Tuffi auch niemand an den Namen des Elefanten erinnert.
Dafür dürfte er seit Errichtung des Turms der bis heute schwerste Besucher des Eiffelturms gewesen sein.
Den Circus Bouglione in Paris gibt es heute noch und er behauptet der älteste Zirkus der Welt zu sein. . Werbung zahlt sich eben manchmal aus.