Freitag, 3. Oktober 2025
Die Zebrakutsche
Mittwoch, 24. September 2025
Butch Cassidys Ende
Meine Bini schaut mal wieder eine grässliche Familien-Western-Serie, ich versuche dabei zu lesen, schaue hin und wieder einmal hoch und mache eine klugscheißerische Bemerkung.
Als einer der Darsteller verkündet, dass er nach Bolivien gehen will, merke ich z.B. an, dass er Butch Cassidy grüßen soll.
OK, der Spruch war jetzt leicht daneben. In der Serie kommt als Bösewicht auch George Armstrong Custer vor. Die Serie muss also vor 1876 spielen. Da war Butch Cassidy gerade mal 10 Jahre alt und an sein angebliches Ende in Bolivien noch nicht zu denken.
Ich habe mich hier ja neulich schon als Wildwest-Fan geoutet und auch schon zugegeben, dass ich sehr gerne Filme schaue.
Die beiden Revolvermänner und Bankräuber Butch Cassidy und Sundance Kid kennen Westernfreunde z.B. aus dem Film "Zwei Banditen".
Falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, dann schaut ihn euch mal an, bevor ich euch hier kräftig spoiler!
Hier erst einmal ein Foto, dass unter dem Namen "The Fort Worth Five" bekannt ist und beide Outlaws mit Mitgliedern ihrer Bande "The Wild Bunch" zeigt.
Sundance Kid ist vorne links und Butch Cassidy vorne rechts zu sehen. In der Mitte sitzt Benjamin Kilpatrick und hinten stehen William Carver und Harvey Logan.
Über das Foto, dass im Studio des Fotografen John Swartz in Fort Worth, Texas, aufgenommen wurde, freute sich auch die Pinkerton Agency, die es für die Fahndung nach der Bande nutzte.
Der "Wilde Westen", den wir heute aus Filmen und Romanen kennen, umfasste zeitlich den Rahmen vom Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges im Jahr 1865, bis zum Ende der Indianerkriege im Jahr 1890, also einem Zeitraum von gerade mal 25 Jahren. Danach war die Pionierzeit beendet. Die Zeit des Wilden Westens ging langsam zu Ende.
Kurz nach Beginn dieses Zeitraums wurde Butch Cassidy am 13. April 1866, als Robert Leroy Parker, in Utah geboren. Wie sich das im Wilden Westen gehört, soll er seine Outlaw-Karriere wohl als Viehdieb begonnen haben.
Etwa 1884 änderte er seinen Namen in Butch Cassidy.
Seinen ersten Raubüberfall beging er 1889 in Telluride, Colorado, wo er mit seiner Bande die San Miguel Valley Bank überfiel.
Harry Alonzo Longabaugh wurde 1867 in Pennsylvania geboren.Samstag, 20. September 2025
Pater und Nonne
In den Felsen liegt der Eingang der Grürmannshöhle, die allerdings nach wenigen Metern durch eine Betonwand verschlossen wurde.
Früher bin ich in den Felsen mal herumgeklettert und habe nach Mineralien und Fossilien gesucht.
Das ist heute leider nicht mehr möglich. Das Gelände steht seit 1997 unter Naturschutz.
Zu solch markanten Felsen gibt es natürlich auch eine Sage.
Vor langer Zeit soll in einem nahegelegenen Kloster ein streitsüchtiger Mönch gelebt haben, der von der strengen Zucht im Kloster nichts wissen wollte.
Er lachte über die Drohungen seiner Mitbrüder, brach aus seiner Zelle aus und baute sich ein Schloss auf dem Burgberg, wo er mit seinen Gesellen in Saus und Braus lebte. So ganz ohne Frau ist das natürlich auch blöd, weshalb er um eine Nonne warb, die nicht ganz freiwillig in ihrem Kloster war. Nach der erfolgreichen Befreiung folgte sie ihm auch willig auf die Burg.
Beide lebten fortan zusammen, legten aber ihre langen weißen Klostergewänder nicht ab.
Viele Jahre später kam ein Bischof vorbei, den sie den Weg verlegten, ihn ausraubten und schikanierten.
Und der Bischof? Was mit ihm geschah ist nicht überliefert. Aber ich kann noch anmerken, dass die Lenne dort nicht sehr tief ist.
Samstag, 13. September 2025
Bärentöter, Henrystutzen und Silberbüchse
Seit frühester Kindheit, also sobald ich lesen konnte, war ich ein Fan von Wildwest-Romanen. Von denen hatten wir immer einen kleinen Stapel in Heftform im Haus. Die wurden nach dem Lesen, auch immer gleich stapelweise mit Nachbarn und Arbeitskollegen gegen Nachschub getauscht.
Von meiner Großmutter bekam ich dann zu Weihnachten mein erstes Karl May Buch, Winnetou 1, geschenkt.
Ich war begeistert und bekam daraufhin von Oma jedes Jahr zu Weihnachten ein weiteres Werk von Karl May.
Irgendwann merkte mein Vater mal an, dass Karl May die Länder über die er schrieb nie besucht hätte.
Abgesehen davon, dass diese Behauptung nicht ganz richtig war, verstand ich irgendwie nie, warum das wichtig sein sollte. Walter Ernsting (Clark Darlton) und Karl-Herbert Scheer waren schließlich auch nie im Weltraum und schrieben trotzdem Science-Fiction. (Ich las damals nicht nur Western.).
Später erfuhr ich dann, dass Karl May zu seiner Zeit ein riesiger Hochstapler war.
Während wir heute seine Bücher als Romane ansehen, stellte May sie damals als echte Reiseberichte und sich selbst als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi dar.
Damals wie heute galt: "Zeig uns Pics sonst glauben wir nix!" Er zeigte sich deshalb auch im passenden Outfit. Es gab Postkarten und die passenden Gewehre mussten natürlich auch her.
Als Old Shatterhand brauchte er da den gewaltigen Bärentöter und für die überlegende Feuerkraft den Henrystutzen. Sein Blutsbruder Winnetou hatte nur ein Gewehr, die Silberbüchse. Nach Winnetous traurigen Ableben in Winnetou 3, erbte er dann auch die Büchse und mit ihr auch alle Apachenstämme.
Die Waffen ließ Karl May dann, um sein Cosplay zu vervollständigen, tatsächlich anfertigen.
Über diese Waffen möchte ich heute dann ein wenig erzählen und beginne mit dem Monster, dem Bärentöter.
"Der Bärentöter ist ein doppelt Vorderlader mit 2löthigen Kugeln. Treffsicherheit 1.800 Meter, Gewicht 20 alte Pfund; es gehört also ein sehr kräftiger Mann dazu. Verfertigt von der berühmten Firma M. Flirr. San Francisco. Es ist das einzige Gewehr seiner Art."Stutzen ist die deutsche Bezeichnung für ein kurzes handliches Jagdgewehr, das bevorzugt für die Pirschjagd eingesetzt wird.
Der kurze Lauf hat natürlich bei der Verwendung von großen Patronen ein paar Nachteile, wie z.B. ein großes Mündungsfeuer bei größeren Gewehrkalibern. In Stutzen werden deshalb gewöhnlich kleinere Patronen verwendet.
Unser Old Shatterhand verwendet einen "Stutzen" des Erfinders Henry.
Benjamin Tyler Henry arbeitete bei der NEW HAVEN ARMS Co. von Oliver Winchester. Die Gewehre, konstruiert als Unterhebelrepetierer wurden 1860 als Henry Rifle patentiert. Für das Gewehr wurde eine spezielle Patrone im Kaliber 44 Henry mit Randzündung entwickelt. Von denen passten 15 in das Röhrenmagazin. Mit einer Patrone im Lauf hatte man also 16 Schuss zur Verfügung.
In Serie ging die Waffe dann 1862. Insgesamt wurden 12.800 Stück hergestellt. Der Nachfolger war dann die Winchester 1866.
Also gar nicht mal so selten diese Waffe.
May hatte von der Henry Rifle vermutlich schon mal gehört, aber ansonsten von dieser Waffe keine erkennbare Ahnung. Dafür hatte er Fantasie.
Old Shatterhand bekommt seinen Henrystutzen direkt vom Büchsenmacher Henry. Das Gewehr ist natürlich extrem selten, beinahe ein Einzelstück. Zum Kaliber schweigt er sich aus, dafür gibt er die viel zu hohe Magazinkapazität von 25 Schuss an, was ihm dann eine überlegene Feuerkraft verleiht.
Zur Funktion der Waffe machte er widersprüchliche Angaben und beschrieb einen "Kugelverschluss", was auch immer das sein soll, statt einen Unterhebelrepetierer mit Röhrenmagazin.
Auf dem folgenden Bild, das Karl May im Old Shatterhand Outfit zeigt, verdeckt er vermutlich aus diesem Grund mit der linken Hand den Verschlusskasten. Daraus ergibt sich auch eine sehr merkwürdige Waffenhaltung.
Donnerstag, 28. August 2025
Barry Larry Terry und der Waschbär
Das City of Moulton Police Department fahndet nach Barry Larry Terry, dem der illegale Besitz eines wilden Waschbären und das Radfahren ohne Licht vorgeworfen wird.
Kurz frage ich mich, wie die den Schurken jemals anklagen wollen, wenn die Generalstaatsanwaltschaft der USA es noch nicht einmal schafft einen Bürger vor eine Grand Jury zu zerren, der einen Bundesbeamten mit Butterbroten bewirft.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Das City of Moulton Police Department liegt in Alabama, was die Geschichte schon fast glaubwürdig macht. Na ja, sie stimmt trotzdem nicht so richtig.
Barry Larry Terry ist nach meinen kurzen Recherchen nämlich ein Scherz des Officers Russel Graham.
Das Bild von Barry ist ein Fake, oder wie wie bei der Polizei in Deutschland sagten würden, eine virtuelle Person. Derartige Bilder werden z.B. bei Lichtbildvorlagen, der modernen Version der Gegenüberstellung, benutzt. Die Bilder sehen häufig sehr, sagen wir mal witzig, aus.
So auch das Bild von "Barry".
Officer Graham hat sich deshalb einen Scherz erlaubt, das Bild zusammen mit echten Fahndungsbildern auf der Facebook-Seite des Departments gepostet und war ganz erstaunt, dass es in kürzester Zeit 6000 Mal geteilt wurde.
Mittlerweile wird auch schon auf anderen Plattformen, z.B. Tumblr, nach dem angeblichen Waschbärenbesitzer gefahndet.
Ich wette jetzt mal, dass Barry zu einer urbanen Legende werden wird. Und deshalb hat er jetzt auch hier seinen Platz gefunden.
Donnerstag, 14. August 2025
Die verzauberte Zwiebel
Ich habe euch ja vor einiger Zeit bereits von der Speichenhexe, welche in Breckerfeld ihr Unwesen trieb erzählt.
Die ungute Frau hatte es ja auf Fuhrleute abgesehen. Wer nun glaubt, dass man als Fußgänger nicht nur etwas für die Umwelt tut, sondern auch vor besagter Hexe sicher ist, dem kann ich die folgende Geschichte erzählen:
In Breckerfeld gibt es den Epscheider Bach, an dem die Epscheider Mühle liegt. Dort führt über den besagten Bach eine Brücke.
Der Held unserer Geschichte, ein Schmied, hatte den Abend im Wirtshaus verbracht, den einen oder anderen Krug geleert und sich nun, so gegen Mitternacht auf dem Weg nach Hause gemacht.
Dabei überquerte er auch, leicht torkelnd, die Brücke, wo er von einer alten Frau angesprochen wurde:
"Du isst doch bestimmt gerne Zwiebeln. Schau mal, was ich hier für schöne große Zwiebeln habe. Möchtest du eine haben?"
Dabei hielt sie ihm ein wirkliches Prachtexemplar von einer Zwiebel hin. Nun sollten einem Frauen, die um Mitternacht in abgelegenen Gegenden Zwiebeln verschenken, suspekt vorkommen, unser Schmied kam aber wie bereits erwähnt, wie man hier sagt "angeschickert" aus der Dorfkneipe.
Dem schönen Gemüse konnte er deshalb nicht widerstehen und nahm es dankend entgegen.
Sobald er zu Hause war, wollte er sich noch einen kleinen Mitternachtsimbiss gönnen, griff sich ein Messer und schnitt die Zwiebel in der Mitte durch.
Da entsprang den beiden Hälften eine Unzahl von Fröschen und Kröten. Der Schmied erschrak fast zu Tode, fluchte laut und warf die beiden Hälften weit fort in den Bach.
Wütend fluchte und schimpfte er auf die Hexe, die er in der Ferne schallend lachen hörte.
Ob das wohl unsere bereits bekannte Speichenhexe war?
Montag, 4. August 2025
Der große König, Juristen und Roben
In der letzten Woche habe ich mir aufgrund einer Empfehlung den Film "Der große König" angeschaut.
Hier sollte deshalb mal wieder, ähnlich wie beim Hauptmann von Köpenick, der erste Teil eines Mehrteilers stehen.
Es ging um den preußischen König Friedrich II., also um den "Alten Fritz", oder Friedrich den Großen.
Der Film beginnt mit der Schlacht bei Kunersdorf, also mit einer vernichtenden Niederlage der Preußen.
Und kurz darauf schaue ich auch schon nach, wann der Film eigentlich gedreht wurde.
1942, im Auftrag von Goebbels. Also ein so genannter Durchhaltefilm. Ich halte auch durch bis zum Ende. Es ist mir aber wirklich schwer gefallen.
Der König als armer geplagter "Führer". Die Schlacht nur verloren, weil die Soldaten nicht durchgehalten haben. Das Volk nicht standhaft. Die Nebenhandlung, ein tapferer Soldat, der sich ungerecht behandelt fühlt, die treue Ehefrau, die ihn zur Pflichterfüllung ermahnt. Am Ende stirbt er tapfer den Heldentod und die stolze Frau darf das Kind allein groß ziehen, alles wird gut.
So ein....!
Dazu noch ein fetter historischer Fehler. Fritzes Lieblingsneffe, Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen, stirbt im Film als frisch ernannter Leutnant, noch vor der letzten siegreichen Schlacht von Schweidnitz, in Berlin an den Blattern.
Tatsächlich starb Prinz Heinrich der Jüngere erst 1767, als frisch ernannter Generalmajor.
Ein bisschen Geschichtsfälschung, sonst wäre der Führer, äh der König natürlich, am Ende ja nicht so theatralisch einsam gewesen.
Mit dem Film möchte ich mich nicht weiter beschäftigen. Der Mehrteiler fällt deshalb aus!
Stattdessen gibt es noch eine ganz kurze Anekdote.
Friedrich II. war und ist ja bei Juristen nicht besonders gut angesehen.
Deshalb wird ihm auch gerne die "Erfindung" der Juristenrobe angedichtet. Die stammt aber gar nicht von ihm, sondern von seinem Vater, König Friedrich Wilhelm I.
Der mochte Juristen auch nicht besonders und erließ am 15.12.1726 die folgende Kabinettsorder:






