Meine Bini schaut mal wieder eine grässliche Familien-Western-Serie, ich versuche dabei zu lesen, schaue hin und wieder einmal hoch und mache eine klugscheißerische Bemerkung.
Als einer der Darsteller verkündet, dass er nach Bolivien gehen will, merke ich z.B. an, dass er Butch Cassidy grüßen soll.
OK, der Spruch war jetzt leicht daneben. In der Serie kommt als Bösewicht auch George Armstrong Custer vor. Die Serie muss also vor 1876 spielen. Da war Butch Cassidy gerade mal 10 Jahre alt und an sein angebliches Ende in Bolivien noch nicht zu denken.
Ich habe mich hier ja neulich schon als Wildwest-Fan geoutet und auch schon zugegeben, dass ich sehr gerne Filme schaue.
Die beiden Revolvermänner und Bankräuber Butch Cassidy und Sundance Kid kennen Westernfreunde z.B. aus dem Film "Zwei Banditen".
Falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, dann schaut ihn euch mal an, bevor ich euch hier kräftig spoiler!
Hier erst einmal ein Foto, dass unter dem Namen "The Fort Worth Five" bekannt ist und beide Outlaws mit Mitgliedern ihrer Bande "The Wild Bunch" zeigt.
Sundance Kid ist vorne links und Butch Cassidy vorne rechts zu sehen. In der Mitte sitzt Benjamin Kilpatrick und hinten stehen William Carver und Harvey Logan.
Über das Foto, dass im Studio des Fotografen John Swartz in Fort Worth, Texas, aufgenommen wurde, freute sich auch die Pinkerton Agency, die es für die Fahndung nach der Bande nutzte.
Der "Wilde Westen", den wir heute aus Filmen und Romanen kennen, umfasste zeitlich den Rahmen vom Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges im Jahr 1865, bis zum Ende der Indianerkriege im Jahr 1890, also einem Zeitraum von gerade mal 25 Jahren. Danach war die Pionierzeit beendet. Die Zeit des Wilden Westens ging langsam zu Ende.
Kurz nach Beginn dieses Zeitraums wurde Butch Cassidy am 13. April 1866, als Robert Leroy Parker, in Utah geboren. Wie sich das im Wilden Westen gehört, soll er seine Outlaw-Karriere wohl als Viehdieb begonnen haben.
Etwa 1884 änderte er seinen Namen in Butch Cassidy.
Seinen ersten Raubüberfall beging er 1889 in Telluride, Colorado, wo er mit seiner Bande die San Miguel Valley Bank überfiel.
Harry Alonzo Longabaugh wurde 1867 in Pennsylvania geboren.
Er begann seine Karriere ganz standesgemäß mit Pferdediebstahl in Sundance, Wyoming und nannte sich nach diesem Ort "The Sundance Kid".
1892 raubte er seinen ersten Zug aus.
Ungefähr ab 1896, wie oben erwähnt lag der "Wilde Westen" in seinen letzten Zügen, führten Butch Cassidy und Sundance Kid die Bande "The Wild Bunch" an.
Der Druck durch Viehzüchter und Eisenbahnunternehmer nahm aber immer mehr zu und die Bande wurde von den Pinkertons gejagt.
1901 wurde es für die beiden langsam eng und sie setzten sich gemeinsam mit Sundance Freundin, Etta Place, nach Buenos Aires ab.
Die drei kauften Land in Patagonien und verhielten sich zunächst still.
Trotz 50.000 Dollar Kopfgeld das auf Cassidy ausgesetzt war, verlief die Suche der Pinkerton Agency erfolglos, was aber zum großen Teil auch an den eher lustlosen Detektiven lag, welche die Suche einfach abbrachen, oder sich gleich Cassidys neuer Bande anschlossen.
Die begann damit Banken in Südamerika zu überfallen. 1907 stellte die Bande ihre Überfälle ein. Etta Place soll zurück in die Vereinigten Staaten gegangen sein. Einer meiner nächsten Beiträge wird übrigens den Titel "Wer war Etta Place?" tragen.
Cassidy und Sundance verkauften die Farm und gingen nach Feuerland. Dort begannen sie wieder mit Raubüberfällen.
Und hier komm ich nun endlich zum Thema und zur Schlussszene des Films "Butch Cassidy and the Sundance Kid", der in Deutschland unter dem Titel "Zwei Banditen" lief.
Die beiden Banditen, dargestellt von Robert Redford und Paul Newman sitzen in der Bank fest, die von der Polizei umstellt wurde. Beide wissen nicht, dass diese mittlerweile auch die bolivianische Armee dazu geholt hat..
In der letzten Einstellung springen beide todesmutig mit gezogenen Waffen aus der Bank. Der Film endet hier. Dass sie erschossen werden wird nicht gezeigt.
Der Ort war San Vicente, ein kleines Dorf in Bolivien. Eine Gedenktafel erinnert an die beiden Banditen, die dort auf dem Friedhof begraben wurden.
Wurden sie tatsächlich?
Butch Cassidys Schwester Lula Parker Betenson behauptete später, Butch sei zurückgekehrt. Gerüchte besagten er hätte unter falschen Namen bis 1937 in den USA gelebt. Auch Sundance Kid soll später Etta geheiratet und noch bis 1936 unter falschen Namen in den USA gelebt haben.
Soll man das glauben?
1992 wurde das Grab mit den Gebeinen der "US-Desperados" exhumiert. Ein durchgeführter DNA-Test ergab, dass es sich bei den Überresten um die eines deutschen Ingenieurs und nicht um die von Butch Cassidy oder Sundance Kid handelt.
Das die beiden in San Vicente ums Leben kamen ist deshalb zumindest fragwürdig. Auch das es sich bei den dort angeblich aufgetreten "US-Desperados" überhaupt um Cassidy und Sundance gehandelt hat, ist unbelegt.
Was tatsächlich aus den "Zwei Banditen" geworden ist, werden wir wohl so schnell nicht herausfinden.